Warum wir eine Offensive gegen die Fleischindustrie brauchen

Die Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung befindet sich in einer entscheidenden und kritischen Phase. Wir sind einerseits konfrontiert mit einer Tier-Industrie, die ökonomisch und politisch so stark ist wie nie zuvor und ihre buchstäblichen Mordsprofite sogar noch steigert. Sie erweitert und „modernisiert“ ihr Sortiment und adaptiert gleichzeitig „grüne“ Slogans und Veggie-Produkte, während das Schlachten ungemindert weiterläuft bzw. noch zunimmt. Unserem Gegner steht andererseits eine Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung gegenüber, die organisatorisch zersplittert ist, keine gemeinsame Strategie formuliert und sich auf lose verbundene Kampagnen und viele Einzelprojekte verteilt. Wir reagieren allenfalls, setzen und besetzen aber kaum noch eigene Themenfelder. Von unserer Stärke, wie sie in den 1990er- oder Anfang der Nullerjahre bestand, als eine radikale Bewegung die Befreiung der Tiere als politisches Projekt angeschoben hat, ist nicht mehr viel zu spüren. Bewegungsinterne Debatten über Gegnerbestimmungen, strategische Orientierung und entsprechende organisatorische Konsequenzen finden bestenfalls informell statt. Entsprechend fehlt uns die Schlagkraft über einzelne und lokale Erfolge hinaus. Und das, obwohl es heute eine größere gesellschaftliche Offenheit nicht nur für Veganismus, sondern auch für die Kritik an der Fleischindustrie gibt, die wir uns mit einer linken, antikapitalistischen und kämpferischen Tierbefreiungsbewegung zunutze machen könnten. Vom Vegan-Hype und den breiten öffentlichen Debatten über „grüne“ Themen – Tierhaltung, Nachhaltigkeit, Treibhauseffekt etc. – haben wir als Bewegung darum auch kaum profitiert.

Wir, das Bündnis Marxismus und Tierbefreiung, meinen: Das muss sich dringend ändern! Wir wollen der Marginalisierung der Bewegung etwas entgegensetzen und aus der Defensive kommen. Dafür möchten wir mit dem vorliegenden Papier einen konkreten (Diskussions-)Vorschlag vorlegen. Wir plädieren für ein gemeinsames antikapitalistisches Bewegungsprojekt mit klassenkämpferischer, antiimperialistischer und sozialistischer Ausrichtung. Wir meinen, die Bewegung sollte den strategischen Fokus in Praxis und Theorie auf die Fleischindustrie als zentralen Akteur der Tierausbeutung legen. Auf dieser Grundlage sollten wir gemeinsam versuchen, uns thematisch und politisch neu zu organisieren. Wir sollten die Ein-Punkt-Politik aufgeben, auch wenn sie für die Entstehung der Tierbefreiungsbewegung historisch möglicherweise notwendig war. Den Fokus ausschließlich auf die Kritik der Ausbeutung und die Befreiung der Tiere zu legen, wird unserer Aufgabe nicht gerecht, die Ausbeutung und Unterdrückung der arbeitenden Klasse, der Natur und der Tiere durch das Kapital zu beenden. Ebenso wie andere antikapitalistische Bewegungen brauchen wir neue BündnispartnerInnen und Organisationsformen.
Auf den folgenden Seiten begründen wir unseren Vorschlag und stellen ihn zur Diskussion. Mit diesem Papier richten wir uns vorerst an Akteure der Tierbefreiungsbewegung in Deutschland, der Schweiz und Österreich, scheuen uns aber nicht, es auch außerhalb des deutschsprachigen Raums zu diskutieren.

1. Warum die Fleischindustrie ins Zentrum stellen?

Das Herz der Bestie: das Fleischkapital

Der Hauptfeind der Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung ist die Fleischwirtschaft. Kein anderer Tierausbeuter ist politisch und ökonomisch mächtiger als das Fleischkapital. Damit sind die EigentümerInnen und ManagerInnen jener Unternehmen und Konzerne gemeint, die mit der kapitalistischen Ausbeutung und Unterdrückung der Tiere zwecks Produktion und Verkauf von Fleisch als Ware Geld verdienen. Sie geben den Angestellten den Auftrag, die Tiere zu töten. Sie kontrollieren und organisieren die Fleischproduktion, von der sie unmittelbar ökonomisch profitieren. In der gesamten Europäischen Union ist das Fleischkapital Deutschlands das größte und stärkste. Aber auch in der Schweiz und Österreich dominiert es die Tierausbeutung. Ökonomisch und politisch bildet das Fleischkapital heute das Gravitationszentrum der Ausbeutung und Unterdrückung der Tiere im Kapitalismus. Das hat verschiedene Gründe.

(1) Die Fleischindustrie macht die größten Gewinne mit der Ausbeutung der Tiere. Allein die zehn führenden Fleischhersteller in Deutschland kommen mit mehr als 21 Milliarden Euro auf knapp die Hälfte des Gesamtumsatzes der Branche (2017, afz/fleischwirtschaft). In der Schweiz teilen die großen Zwei – Bell (Coop) und Micarna (Migros) – mit knapp sechs Milliarden Schweizer Franken (CHF) etwas weniger als zwei Drittel aller Umsätze unter sich auf. Österreichs führendes Fleischunternehmen Tann, Teil der Spar-Gruppe, erwirtschaftete 2017 immerhin noch 700 Millionen Euro Umsatz (2017, Österreichische Fleischerzeitung), während die gesamte österreichische Branche im selben Jahr einen Umsatz von 4,4 Milliarden Euro erzielte (2017, Grüner Bericht).

Mit insgesamt 43,6 Milliarden Euro ist die deutsche Fleischwirtschaft auch der umsatzstärkste Zweig der gesamten Agrar- und Ernährungsindustrie. In Österreich bildet die Fleischproduktion ebenfalls das Rückgrat der landwirtschaftlichen Produktion (2017, Grüner Bericht). In der Schweiz liegen Fleisch- und Milchwirtschaft schätzungsweise in etwa gleichauf.

Im Angesicht dieser Einnahmen muten die Umsätze anderer Bereiche der Tierausbeutungsindustrie fast schon läppisch an, wie etwa die knapp 300 Millionen Euro Umsatz der 71 Zoos imdeutschsprachigen Raum, die im Verband der Zoologischen Gärten organisiert sind (VdZ). In Relation sind auch die sehr wohlwollend geschätzte eine Milliarde Euro Umsatz der deutschen Pelzindustrie (Deutsches Pelz Institut) oder die 40 Millionen CHF der Pelzfachgeschäfte und KürschnerInnen der Schweiz, die dem Verband SwissFur angehören, Peanuts.

(2) Verschiedene andere Sektoren der Tierausbeutungsindustrie sind zudem, wie das deutsche Beispiel zeigt, an die Fleischproduktion angeschlossen. Sie gewährleistet höhere Gewinnmargen oder in Einzelfällen sogar das ökonomische Überleben dieser Wirtschaftszweige. Deutlich mehr als ein Drittel der Häute, die zur Herstellung von Pelzen genutzt werden, stammen zum Beispiel von Tieren, denen zuvor in Schlachthäusern das Leben genommen worden ist (Deutsches Pelz Institut). Nach ihrer Produktionszeit von rund fünf Jahren endet das Leben der derzeit 4,2 Millionen Milchkühe ebenfalls zur Weiterverarbeitung im Schlachthof (2018, Stat. Bundesamt). Dasselbe gilt für die für die Milchwirtschaft nutzlosen männlichen Kälber der Milchkühe. Die von der Eierproduktion ausgelaugten rund 50 Millionen Legehennen landen nach 16 bis 17 Monaten ebenfalls im Schlachthaus.

(3) Das Fleischkapital ist aber nicht nur der größte Profiteur innerhalb der Tierindustrie. Es lässt auch die meisten Tiere einsperren, ausbeuten und letztlich töten. Legt man die offiziellen Statistiken zugrunde, sind in der Schweiz im Jahr 2018 76 Millionen (2018, Proviande) und in Österreich über 91 Millionen Tiere aller Arten getötet worden (2018, Statistik Austria). Das ist erwartungsgemäß weniger als in Deutschland, aber dennoch enorm. In der BRD werden für die Fleischproduktion über 746 Millionen Tiere ums Leben gebracht. Noch nicht inbegriffen in diesen schwindelerregenden Daten sind die „unproduktiven“ Tiere (männliche Küken etwa) oder die verschiedenen Fischarten und anderen Wasserlebewesen.

Zum Vergleich: In staatlichen Einrichtungen und Privatunternehmen werden in der BRD nach offiziellen Angaben an rund drei Millionen Tieren Versuche durchgeführt (2017, BMEL). In der Schweiz leiden und sterben in den Laboren 614.581 Tiere (2017, BLV), in Österreich 264.071 Tiere (2017, BM für Bildung, Wissenschaft, Forschung). Auch wenn wahrscheinlich in allen Staaten noch mehr Tiere der „Forschung“ und Tests zum Opfer fallen (ÄgT): die Dimensionen der Fleischindustrie erreichen sie nicht. Ähnliches gilt für die Milchproduktion. Milch wird in Deutschland ungefähr 4,2 Millionen Kühen abgepresst (2018, Stat. Bundesamt). In der Schweiz (2018, Bundesamt für Landwirtschaft) und in Österreich (2017, Statistik Austria) wird je eine halbe Million Milchkühe ihrer Säuglingsnahrung beraubt. Die mehr als 50 Millionen Legehennen im deutschen Eiersektor (2018, Stat. Bundesamt), die 6,7 Millionen im österreichischen (2017, BM für Nachhaltigkeit und Tourismus) und 2,8 Millionen im Schweizerischen (2018, Bundesamt für Landwirtschaft) reichen ebenfalls nicht an die astronomischen Zahlen der Fleischindustrie heran.

(4) Schließlich verfügt das Fleischkapital unter den Tierausbeuter- und -unterdrückerInnen auch politisch über die größte Macht in Zivilgesellschaft und Staat. Mit formellen und informellen Netzwerken aus Interessenverbänden, Branchenmedien, staatlichen Apparaten, wohlgesonnenen Parteien und Politikern gelingt es bis dato, die Fleischhegemonie in unserer Gesellschaft aufrechtzuerhalten. Der Warencharakter der Tiere und ihre Ausbeutung für die Fleischproduktion werden nicht hinterfragt, sondern gutgeheißen und als unveränderlich dargestellt. Sie werden mit Vorstellungen gesellschaftlicher Nützlichkeit, wie etwa Nahrung, Genuss, Wohlstand usw., Ideologien (wie dem Speziesismus), subjektiven und kollektiven Identitäten und entsprechenden kulturellen Lebensweisen verbunden. Dazu zählen unter anderem eine fleischbasierte Ernährungsweise und eine im Kern tierfeindliche Ethik.

Der Hauptfeind steht in Rheda-Wiedenbrück

Das Fleischkapital agiert und differenziert sich entlang der gesamten Wertschöpfungskette: von der Futtermittelproduktion, der Züchtung besonderer Tierrassen, den Mastanlagen und den Transportunternehmen über die großen Schlachtbetriebe und fleischverarbeitenden Unternehmen bis hin zum Verkauf abgepackter Tierkadaverteile im Supermarkt und dem Export von billigen Fleischabfällen in Staaten der globalen Peripherie. Seine bevorzugten Opfer sind Schweine, Kühe und Hühner, aber auch Lämmer, Pferde, Rehe usw.

Die Fleischproduktion und -distribution ist stark konzentriert und zentralisiert. Oligopole kontrollieren den Großteil der Produktion und Märkte. In Österreich sind die Konzentrations- und Zentralisationsprozesse gerade voll im Gange. Insbesondere die großen Handelsunternehmen Spar (Tann), Rewe (u.a. Billa, Merkur, Penny) und Aldi Süd (Hofer) drängen mit den eigenen Fleischunternehmen nach oben. In der Schweiz produzieren hingegen allein Bell und Micarna zusammen über 50 Prozent der verschiedenen führenden Fleischsorten. Die Tönnies Gruppe, Vion Food Germany, Westfleisch und die PHW-Gruppe (u.a. Wiesenhof) bilden das Quartett, welches das Geschäft mit der industriellen Massentötung nichtmenschlicher Lebewesen in Deutschland beherrscht und am meisten davon profitiert. Alle vier kommen auf mindestens zwei Milliarden Euro Umsatz im Jahr. Branchenprimus und gleichzeitig EU-Europas größter Fleischproduzent ist die Tönnies-Gruppe mit Sitz im nordrhein-westfälischen Rheda-Wiedenbrück. Ihr Umsatz belief sich im Jahr 2018 auf fast sieben Milliarden Euro (2018, fleischwirtschaft).

Die führenden Fleischkonzerne sind in der Regel eine Verbindung aus Industrie- und Handelskapital. Das heißt, sie verdienen doppelt innerhalb der Wertschöpfungskette, indem sie nicht nur Fleisch produzieren lassen, sondern auch den Handel mit Fleischwaren betreiben. Der Schwerpunkt der einzelnen Unternehmen variiert. Häufig kontrollieren sie auch noch andere Firmen in der Produktions- und Vertriebskette, etwa in der Futtermittelherstellung oder der Tiermast. Die Unternehmen sind zudem in unterschiedlichen Sparten aktiv. Tönnies stellt zum Beispiel vorwiegend Schweinefleisch her, während PHW sich auf Geflügelfleisch konzentriert. In der Schweiz ist das Fleischduo hingegen gleich in allen Branchen tätig. Ähnlich ist es in Österreich. Ihre dominante Stellung gibt den jeweiligen nationalen Oligopolisten auch die Möglichkeit, Einfluss auf Preise zu nehmen und andere vor- und nachgelagerte Betriebe unter Druck zu setzen.

In Deutschland, der Schweiz und in Österreich (bis 2016, Agrar-Atlas-EU) können die Konzerne die bestehende Nachfrage nach Fleisch, die sie durch Werbung teils mit hervorrufen, derzeit abdecken. Daher richten sich die großen Fleischproduzenten insbesondere aus Deutschland, aber auch aus Österreich – Schweizer Fleischwaren sind aufgrund der relativ hohen Arbeitskosten international weniger konkurrenzfähig – seit Jahren darauf aus, ihre Gewinne durch Exporte von Fleischwaren und anderweitige Internationalisierung ihrer Wertschöpfung auszuweiten. Tier- und Fleischwaren sind dementsprechend seit vielen Jahren die wirtschaftlich bedeutendsten Exportprodukte der deutschen Agrar- und Ernährungsindustrie (Agrarpolitischer Bericht 2015). In Österreich rangieren sie gleich hinter den nicht-alkoholischen Getränken (Red Bull) auf Platz zwei (2017, topagrar Ö).

Prisma kapitalistischer Entwicklung

Die Ausbeutung und Unterdrückung der Tiere durch das Fleischkapital ist kein isolierter Prozess, die Beziehung des Kapitals zu den Tieren ist nicht von anderen Verhältnissen in der kapitalistischen Produktionsweise zu trennen. Vielmehr bildet die Fleischindustrie das Prisma, durch welches sich die kapitalistische Entwicklung in ihrer Gesamtheit erkennen lässt.
Die kapitalistische Ausbeutung der Tiere ist undenkbar ohne die der ArbeiterInnen. Die Zuspitzung des Klassenwiderspruchs in der Fleischindustrie sucht seinesgleichen. In der gesamten Branche arbeiten in der BRD mehr als 160.000 Menschen sozialversicherungspflichtig (2017, Anfrage B-tag). In den Schweizer Unternehmen schuften derweil offiziell 24.000 Menschen (Schweizer Fleisch-Fachverband), in österreichischen 18.153 (2016, Grüner Bericht). Die Werks- und LeiharbeiterInnen sind in diesen Zahlen nicht berücksichtigt. Sie machen aber insbesondere bei den führenden Fleischunternehmen den Großteil der Beschäftigten aus. Überwiegend handelt es sich um KollegInnen mit Migrationshintergrund, darunter viele Frauen, die um einen Kern festangestellter, meist deutscher FacharbeiterInnen herum tätig sind und einfache Arbeiten z.B. am Fließband verrichten. Sie arbeiten und leben in äußerst prekären Verhältnissen und haben ohne Arbeitsplatz häufig keine Aufenthaltsgenehmigung. ArbeiterInnenrechte werden missachtet, der gewerkschaftliche Organisationsgrad ist ebenso gering wie der Lohn. Das Verletzungsrisiko ist hoch, die körperliche und psychische Belastung ebenfalls.

Die Fleischproduktion ist ferner mitverantwortlich für die kapitalistische Naturzerstörung. Neben der industriellen Tötung von Tieren trägt sie zum Beispiel massiv zum vom Kapital verursachten („kapitalogenen“) Klimawandel bei. Konservative Schätzungen bemessen den Beitrag der Tierhaltung auf 18 Prozent aller relevanten Treibhausgase (2006, FAO). Der Wasserverbrauch für die Herstellung von Futtermitteln absorbiert riesige Mengen Süßwasser. Gleichzeitig wird das Trinkwasser durch den hohen Düngeeinsatz und massenhaft verabreichte Antibiotika mit Nitraten, Phosphor und anderen Stoffen verseucht. Die Medikamente, u.a. Antibiotika, welche Tieren freizügig und umfangreich verabreicht werden, rufen bei Menschen Resistenzen hervor und gefährden so deren Gesundheit. Schließlich sind die Tierfabriken ein nicht versiegender Quell von Gestank und Lärm für AnwohnerInnen.

International verschärfen Herstellung und Vertrieb von Fleisch die Ausbeutungs- und Unterdrückungsbeziehungen. Billige Fleischexporte aus den imperialistischen Metropolen in die peripheren Staaten zerstören die Nahrungsmittelproduktion, unterminieren die Nahrungsmittelsouveränität und machen KollegInnen im globalen Süden arbeitslos, weil lokale Produktionsstrukturen zerstört werden. Zudem werden insbesondere die fruchtbarsten Landflächen monopolisiert oder neu inwertgesetzt, um Futtermittel in Monokulturen für die Tierproduktion statt Nahrungsmittel für den Eigenbedarf der Lokalbevölkerung anzubauen. 70 Prozent aller agrarischen Nutzflächen werden heute in irgendeiner Weise für die Tierfütterung genutzt. Dafür werden auch Regenwälder und andere seltene Lebensräume vernichtet und Menschen von ihrem Land vertrieben. Die Verdammten dieser Erde werden auch dadurch genötigt, ihren elenden Arbeits- und Lebensverhältnissen in Richtung Metropolen zu entfliehen, wo sie ihre Haut dann für Billigjobs zu Markte tragen müssen.

Die Ausbeutung und Unterdrückung der Tiere in der Fleischindustrie gründet also in Produktions- und Verteilungsverhältnissen, in denen das imperialistische Kapital auch die Klasse der LohnarbeiterInnen in den Zentren und verstärkt in der Peripherie ausbeutet und die Natur zerstört.

2. Strategische Koordinaten und Bewegungspolitik

Aus all dem, so meinen wir, ergeben sich grundlegende Koordinaten für ein strategisches und bewegungspolitisches Vorgehen der Tierbefreiungsbewegung und ihrer potentiellen BündnispartnerInnen. Wenn wir den Todesprofiteuren wirklich das Handwerk legen wollen, müssen wir beim Fleischkapital ansetzen. Wollen wir die Tierausbeutung abschaffen, die Plünderung der Natur stoppen und die Ausbeutung der Arbeitskraft beenden, dann ist dies der Gegner, gegen den wir unsere Kräfte bündeln sollten. Dass er mächtig ist, heißt nicht, dass wir ihn nicht treffen können. Und, positiv gewendet: Wer dem Fleischkapital schadet, kann zugleich andere Fraktionen der Tierausbeutungsindustrie treffen – oder sie zumindest massiv unter Druck setzen.

Das hieße jedoch, dass wir als Bewegung überhaupt eine Strategie dazu formulieren. Das ist gegenwärtig nur in Ausnahmen bzw. ansatzweise der Fall. Die Tierbefreiungsbewegung hat durch zurückliegende Kampagnen zwar einige Erfahrungen gesammelt, aber noch keine wirklich große Tradition, was Strategiedebatten angeht. Wir möchten diese Debatte anstoßen, wobei für uns klar ist, dass diese ersten Überlegungen noch weiter diskutiert werden müssen. Bislang orientieren weite Teile der Bewegung – implizit oder explizit – eher auf den Kampf gegen speziesistische Ideologie und den entsprechenden Wandel im Denken und im Konsum (Stichwort: „go vegan“) der Bevölkerung. Aber wenn es stimmt, dass das Fleischkapital das Zentrum gegenwärtiger kapitalistischer Tierausbeutung ist – dann setzt das eine Reihe von strategischen Koordinaten, an denen wir uns orientieren müssen:

(1.) Grundsätzlich: Es kann dann nicht mehr nur um einen antispeziesistischen Bewusstseins- und Kulturwandel „der“ Menschen oder „der“ Gesellschaft gehen – sondern wir müssen einen gesellschaftlichen (Klassen-)Kampf gegen das Tierkapital organisieren, das für die Ermordung der Tiere, die Zerstörung der Natur und Ausbeutung der SchlachthofarbeiterInnen verantwortlich zeichnet. Tiermord, miese Jobs und Naturzerstörung kommen nicht einfach aus „der“ Gesellschaft, sondern haben konkrete ökonomische Profiteure, die für ihre Organisation und Aufrechterhaltung verantwortlich sind. Nicht bloß Aufklärung über deren Handeln und die allgemeine Bekämpfung von speziesistischer Ideologie und Kultur, sondern auch und vor allem Organisation für einen Kampf gegen die TierkapitalistInnen muss darum das Ziel sein.

(2.) Wenn das Fleischkapital das Zentrum der Tierausbeutungsindustrie ist und man sie hier am effektivsten treffen kann, sollten wir uns nicht auf diverse Kampagnen und Aktionsfelder verteilen, sondern die Kräfte bündeln und uns auf den Hauptgegner fokussieren. Zugespitzt: Wenn unser Gegner hochgradig vernetzt bzw. organisiert ist und arbeitet, sollten wir uns ebenso organisieren, um ihn effektiv treffen können. Das heißt nicht, die Arbeit gegen Versuchslabore oder den Pelzhandel links liegen zu lassen. Aber ein unkoordiniertes Vorgehen oder strategieloser Aktionismus führen nicht zum Erfolg.

(3.) Es gibt nicht nur „das“ Fleischkapital, sondern man kann die FleischkapitalistInnen konkret benennen: Es sind in Deutschland vor allem die oben genannten vier Unternehmen – Tönnies, Vion Food Germany, Westfleisch und die PHW-Gruppe –, die den Markt beherrschen. In der Schweiz wiederum heißen sie Bell und Micarna. In Österreich wäre Tann/Spar zu nennen. Sie sollten ins Zentrum einer Strategie der Bewegung gestellt werden.

(4.) Relevant sind dabei alle Machtmittel, die helfen, die FleischkapitalistInnen zu schädigen. Das ist im Kern ökonomische Macht durch die Störung der Kapitalverwertung, sprich der Zufuhr von Tieren und anderem „Material“ der Kapitalverwertung, durch die Störung der Produktion oder Ausfuhr des Fleisches. Aber auch politische Forderungen wie das Streichen von Subventionen oder das öffentliche Image der Konzerne sind Punkte, an denen man sie empfindlich treffen kann. Entscheidend ist, dass wir diese Machtmittel konkret ausrichten, und zwar auf die Fleischkonzerne.

(5.) Die Gegnerschaft zum Fleischkapital ist die politische Grundlage, auf der wir eine Zusammenarbeit mit anderen Kräften – Betriebsaktiven, Öko- AktivistInnen, der Klima-Bewegung, antikapitalistischen und sozialen Bewegungen – eingehen können. Denn beim Fleischkapital laufen die nationale und internationale Unterdrückung und Ausbeutung von Menschen, Natur und Tieren praktisch zusammen. Es sollten sich darum alle zusammenschließen, die unter dem Agieren der FleischkapitalistInnen zu leiden haben und die sich gegen es auflehnen.

(6.) Aus dieser gemeinsamen Gegnerschaft ergibt sich notwendig, mit den ArbeiterInnen in der Fleischindustrie, ökologisch motivierten und anderen Bewegungen gegen die Fleischindustrie grundsätzlich solidarisch zu sein und auf ein gemeinsames Projekt zu orientieren. Das heißt, dass wir gewerkschaftliche oder Auseinandersetzungen um andere Probleme der Fleischproduktion unterstützen und sie mit unserer Perspektive verbinden müssen. Das Ziel ist das Ende der Fleischkonzerne und die betriebliche Umstellung und Konversion hin zu einer pflanzlichen und ökologisch verträglichen Lebensmittelproduktion, bei Sicherung der Arbeitsplätze und bezahlter Umschulung der KollegInnen.

Um das konkret zu machen, schlagen wir vor, aus der Bewegung heraus eine „Offensive gegen die Fleischindustrie“ (OGFI) zu organisieren, die sich auf das Fleischkapital konzentriert und die verschiedenen Konfliktfelder (Tierausbeutung, Klassenkampf, Ökologie, internationale Solidarität) wieder stärker politisiert. Neben den o.g. analytischen und strategischen Gründen sprechen dafür auch mehrere bewegungspolitische Argumente:

(1.) Wir könnten ein kollektives politisches Projekt schaffen, mit dem wir (wieder und stärker) als politische Bewegung wahrgenommen werden würden. Dass es immer Arbeit im lokalen Kontext braucht, die nicht ersetzt werden kann und soll, liegt auf der Hand. Im Rahmen einer gemeinsamen Offensive gegen die Fleischindustrie im deutschsprachigen Raum würden wir uns jedoch nicht länger auf verschiedene Aktions- und Politikfelder verteilen, sondern könnten – entsprechend der jeweiligen Kapazitäten – die Kräfte bündeln und gemeinsam als Bewegung wahrnehmbar agieren. Wir würden ein gesellschaftlicher Anlaufpunkt für Protest sein, und könnten damit auch in der Öffentlichkeit klarmachen, dass das Tierkapital einen zentralen Gegner hat – nämlich uns.

(2.) Wir könnten unsere politische Schlagkraft vervielfachen. Die Kräfte zu bündeln, das liegt auf der Hand, heißt immer auch, stärker zu werden. Wir könnten Ressourcen, Know-How und Kommunikation bündeln und unseren Gegner effizienter und besser koordiniert treffen. Was wäre zum Beispiel, wenn man den nächsten „Fleisch-Skandal“, der durch die Presse geht, mit Pressemitteilungen, Flugblättern und Protesten vor Firmensitzen in verschiedenen Städten und unter einem gemeinsamen Slogan flankieren würde? Mit einem entsprechend koordinierten Vorgehen und einer cleveren Öffentlichkeitsarbeit ließe sich hier viel erreichen. Bislang überlassen wir all das de facto den Tierschutz- und bürgerlichen „grünen“ NGO’s. Eine Offensive, wie wir sie vorschlagen, muss dabei auch nicht zwingend mehr Arbeit für alle Beteiligten bedeuten. Es kann vielmehr umgekehrt heißen, die Kapazitäten besser aufeinander abzustimmen – durch verbesserten Austausch, gemeinsame Recherche, die Erstellung einheitlicher Materialien, Vernetzung etc.

(3.) Wir könnten ein konkretes Organisationsangebot schaffen, mit dem wir dem Auseinanderfallen der Bewegung entgegenwirken und ein Anlaufpunkt für Gruppen und AktivistInnen werden können. Die Erfahrungen der „Offensive gegen die Pelzindustrie“ (OGPI) zeigen nicht zuletzt, dass ein Organisationsangebot, an dem sich Gruppen und unorganisierte Aktive leicht beteiligen können, ein enormes Potential hat – etwa durch kampagnenförmige Aktionstage, gemeinsames Infomaterial oder aufeinander abgestimmte Protestformen, die alte wie neue AktivistInnen einfach übernehmen können. Warum nicht gegen die Fleischindustrie richten, was bei der Arbeit gegen den Pelzhandel gut funktioniert hat? Eine Kampagne mag zwar im Kern von einer Koordinationsgruppe o.ä. organisiert sein. Mit der Zeit kann sie jedoch ein Netzwerk von unterstützenden Gruppen und Aktiven aufbauen, die MultiplikatorInnen sind und sich regelmäßig an der praktischen Arbeit beteiligen. Wenn man das gut organisiert, kann so eine Kampagne also zum Sammelpunkt einer tatsächlichen Offensive werden.

(4.) Darüber hinaus könnten wir ein Organisationsangebot für jene schaffen, die bislang nicht aktiv geworden sind und sich organisieren wollen. Wir meinen, das Potential derer, die – aus verschiedenen Motiven – bereit sind, gegen die Fleischindustrie auf die Straße zu gehen, ist weitaus größer als das, was wir als Bewegung gerade aktivieren. In der gesellschaftlichen Debatte über Fleisch und die Fleischindustrie, Tiere und „grünen“ Konsum drückt sich auch aus, dass es hier einigen Unmut, Handlungsbereitschaft und eine Offenheit zum Umdenken gibt. Das sieht man zum Beispiel an den Reaktionen auf den „Fleischatlas“ der Heinrich-Böll-Stiftung oder an Massenprotesten wie „Wir haben es satt!“, bei denen auch die Frage der Fleischproduktion aufgeworfen wird. Aber warum überlassen wir dieses Potential reformistischen Kräften und dem Tierschutz, statt zu versuchen, die Menschen für eine linke und radikale Tierbefreiungsbewegung zu gewinnen? Wenn wir niedrigschwellig an den gängigen Argumenten für „grünen“ und nachhaltigen Konsum des Mainstreams ansetzen und diese antikapitalistisch wenden würden, könnten wir jene erreichen, die jetzt woanders aktiv werden und die eben „was tun wollen“ – für die wir aber offenbar bisher kein Anlaufpunkt sind.

(5.) Wir könnten den Veganismus (wieder) zum Teil einer gegenkulturellen Lebensweise machen. Kultur, Konsumverhalten und Fragen der Lebensweise sind wichtig und ein Thema, das derzeit viele bewegt. Die Fleischindustrie ist allerdings längst dabei, ihr Sortiment mit veganen und Veggie-Produkten zu erweitern und ein Integrationsangebot noch für das letzte Bisschen kritischen Potentials zu schaffen, das die Entscheidung für die vegane Lebensweise bergen mag. Neoliberale Lifestyle-Veganer wie Attila Hildmann, Jan Bredack (Veganz) oder Roger Lienhard (Blue Horizon) tun ihr Übriges, um den Veganismus endgültig zu entpolitisieren und in marktkonforme Bahnen zu lenken. Die Konsequenzen sind bekannt: Im Mainstream hat Veganismus schon lange keinen politischen oder progressiven Charakter mehr, sondern wird hauptsächlich mit Smoothie-Bars, Burgerläden und Food Blogs für gesundheitsfanatische Yuppies und Hipster assoziiert. Warum lassen wir denen das durchgehen? Auch diese vergleichsweise „kulturellen“ Fragen müssten zentraler Bestandteil einer OGFI sein. Sie sollte sich darum bemühen, den Veganismus wieder als Teil einer gegenkulturellen und revolutionären Haltung zu besetzen, die nicht nur für Konsum und Greenwashing steht, sondern für Ökologie, Tierbefreiung und eine grundsätzlich antikapitalistische, solidarische Haltung gegenüber Tieren, der Natur und ArbeiterInnen. So könnte man die Fleischunternehmen auch an einer Stelle treffen, an der sie überaus verwundbar sind, nämlich an ihrer Darstellung in der Öffentlichkeit und ihrem Image.

(6.) Wir könnten so eine Grundlage dafür schaffen, auf der wir uns (weiter) mit anderen sozialen Bewegungen und auch Gewerkschaften vernetzen. Die obigen Ausführungen machen klar: Die Fleischindustrie ist nicht nur unser Gegner, sondern auch der der Öko- oder der ArbeiterInnenbewegung. Wenn die Parole „Human Freedom, Animal Rights – One Struggle, One Fight“ ernst gemeint sein soll, ist es zum Beispiel längst überfällig, dass wir auch die Situation der ArbeiterInnen in der Fleischindustrie einbeziehen. Die ist schließlich nicht nur bekanntermaßen schlecht, sondern auch Gegenstand medialer Berichterstattung und gewerkschaftlicher Organisierungsversuche. Das hieße für eine OGFI, dass wir nicht nur die Ausbeutung und Ermordung der Tiere, sondern auch die Ausbeutung der ArbeiterInnenklasse thematisieren sollten. Hier lägen Möglichkeiten für Bündnisse oder Kooperationen mit Teilen der Gewerkschaftsbewegung, oder zumindest mit jenen Betriebsaktiven, die für so eine Kooperation aufgeschlossen wären. Auch die Situation migrantischer ArbeiterInnen, die ja bevorzugt von der Fleischindustrie angestellt werden, sollte dabei eine besondere Rolle spielen. Mit Blick auf den massiven CO2-Ausstoß der Industrie und die Zerstörung von (Regen-)Wäldern für den Anbau von Futtermitteln bestehen nach wie vor Möglichkeiten, sich weiter mit der Klima- und Umweltbewegung zu verbinden, was ja teilweise auch schon geschehen ist. Weil die Exporte der hiesigen Fleischindustrie auch Ökonomien anderer Länder zerstören, könnte man sich hier entlang der imperialistischen Ausbeutungs- und Herrschaftsbeziehungen auch mit Teilen der internationalistischen Bewegung zusammentun.

3. Wie angreifen? Vorschläge für Eckpfeiler einer Offensive gegen die Fleischindustrie

Wie lassen sich diese Überlegungen in konkrete Arbeit übersetzen? Das Initiieren eines Projekts, wie wir es uns vorstellen, müsste ein kollektiver Prozess und Gegenstand einer gemeinsamen Konzeption sein. Wir schlagen einige Eckpfeiler vor, die wir dabei für zentral halten, und welche die Arbeit auf mehreren Ebenen umreißen. Wir nennen hier nur die aus unserer Sicht zentralen Elemente – Konkreteres zu den einzelnen Punkten wollen wir an anderer Stelle diskutieren.

Am Beginn müssten sicherlich das Erarbeiten inhaltlicher Grundlagen, konkreter Ziele und die generelle Positionsbildung stehen.Die Basis der gemeinsamen Arbeit müsste (1) die Verständigung über eine gemeinsame inhaltlich-politische Grundlage der Arbeit sein. Nicht minder wichtig wäre jedoch (2) die Positionsbildung zu aktuellen Fragen in Bezug auf die Fleischindustrie: Wie zum Beispiel umgehen mit dem Einstieg der Fleischkonzerne in die Produktion von „In-Vitro-Fleisch“ oder ihre Investitionen in vegane Start-ups? Darüber hinaus müsste man (3) gemeinsame Ziele und Forderungen definieren.

Davon ausgehend bräuchte es Recherchearbeit zu Strukturen und Akteuren der Fleischindustrie. Wer sind die konkreten Macher und Profiteure der Industrie? Wie ist ihre Arbeit strukturiert, wie sehen ihre ideologischen Vorfeldorganisationen aus? Zur Vorbereitung von Aktionen und Hintergrundmaterialien bedarf es natürlich auch einer umfassenden Recherche, wo sie noch nicht erfolgt ist. Es solltedabei aber nicht nur um die Fleischkonzerne selber gehen, sondern ebenso um ihre Verbindungen zu NGOs, Medien und Vereinen.

Auf Grundlage dessen sollten Analysen geschrieben und Infomaterial erstellt und publiziert werden. Für eine solche Öffentlichkeitsarbeit bräuchte es eine Homepage sowie die entsprechende Präsenz in sozialen Medien, regelmäßige Pressemitteilungen und insgesamt eine kontinuierliche Pressearbeit.

Dass darüber hinaus Aktionen und Proteste ein zentraler Bestandteil der Arbeit sein müssen, ist klar. Die Fleischindustrie ist als solche sicherlich nicht so leicht angreifbar wie etwa der Pelzhandel oder Zirkusse. Und unsere Ressourcen sind begrenzt. Dennoch gibt es mehrere Ebenen, auf denen wir das Fleischkapital mit verschiedenen Aktionsformen treffen können – sie reichen von den klassischen Protestformen über das Nutzen parlamentarischer Wege (z.B. Subventionspolitik) oder Aktionen in „Sozialen Medien“.

Auch Vernetzungsarbeit und die Suche nach neuen Bündnispartnern wäre bedeutsam für die (Weiter-)Entwicklung einer gemeinsamen politischen Agenda. Wir vermuten, dass es auch in Teilen der marxistischen Linken oder der Klima- und Öko-Bewegung eine – vielleicht geringe, aber vorhandene – Bereitschaft gäbe, sich an Aktionen gegen die Fleischindustrie zu beteiligen. Dafür braucht es aber die entsprechende Vernetzung und Aufnahme von Kontakten.

Zu guter Letzt sollten wir im Rahmen unserer Möglichkeiten auch dazu beitragen, eine neue und „vegane“ Gegenkultur zu entwickeln. Wir sollten zum Beispiel der neoliberalen Vereinnahmung der veganen Lebensweise etwas entgegensetzen und sie wieder als alltägliche und grundlegend solidarische Haltung politisieren, die sich aber nicht auf individualisierte Konsumkritik beschränkt.

Die Kräfte bündeln und eine Strategie entwickeln!

Die Ausführungen in diesem Papier können und sollen kein fertiges Programm sein. Sie können auch keine Diskussion ersetzen. Das vorliegende Papier ist ein konkreter Aufschlag zur Debatte innerhalb der Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung und darüber hinaus. Es soll eine dringend nötige Diskussion anstoßen, zur Verständigung über die Zukunft unserer Bewegung beitragen und Möglichkeiten aufzeigen, neue BündnispartnerInnen für eine gemeinsame Offensive gegen die Fleischindustrie zu gewinnen.

Denn klar ist auch: Wenn die Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung aus der Defensive kommen und ihren politischen Zerfall stoppen will, dann ist eine grundlegende politische Neuausrichtung unausweichlich. Es ist an der Zeit, dass wir unsere Politik auf die heutige Situation ausrichten und eine Diskussion darüber führen, wie wir uns inhaltlich und strategisch orientieren und aufstellen wollen. Wir müssen uns als Bewegung neu formieren, die Kräfte bündeln und eine gemeinsame Strategie entwickeln. Die gesellschaftlichen Bedingungen dafür sind nicht nur schlecht – wir müssen aber auch die Grundlage dafür schaffen, sie zu nutzen!

Die Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung, so meinen wir, ist eine historisch junge Bewegung, die bereits über eine Menge Erfahrung verfügt. Nun kommt es darauf an, diese auszuwerten und zu nutzen, um als Bewegung inhaltlich wie auch organisatorisch den nächsten Schritt zu gehen: zu einer kollektiven Kraft zu werden, die das Tierkapital offensiv mit dem Ziel bekämpft, die bürgerlichen Eigentums- und Herrschaftsverhältnisse aufzulösen. Dazu soll das vorliegende Diskussionspapier beitragen – und in diesem Sinne hoffen wir auf eine breite und solidarische, aber unbedingt auch kritische Diskussion in der Bewegung.

Juli 2019,
Bündnis Marxismus und Tierbefreiung


Veröffentlicht am 1. Juli 2019 in den Kategorien: Allgemein Tierbefreiung




Freiheit für Max Zirngast!

Am (morgigen) 11. April 2019 beginnt in der Türkei der Prozess gegen den linken Journalisten und Aktivisten Max Zirngast und seine Ko-Angeklagten wegen mutmaßlicher „Mitgliedschaft in einer terroristischen Organisation”. Alle Informationen zum Fall gibt es auf der Internetseite der Free Max Zirngast Solidaritätskampagne. Mehrere Gruppen und Zusammenschlüsse der Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung haben dazu eine Solidaritätserklärung verfasst, die wir ebenfalls unterzeichnet haben und hier dokumentieren:


Freiheit für Max Zirngast! Solidaritätserklärung für den Sozialisten und Tierbefreiungsaktivisten Max

In der Türkei soll ab dem 11. April 2019 dem linken Journalisten und Aktivisten Max Zirngast, der in Ankara lebt und arbeitet, der Prozess gemacht werden. Ihm wird vorgeworfen, „Mitglied einer terroristischen Organisation“ zu sein. Die Vorwürfe, das zeigt nicht zuletzt die Anklageschrift, sind lächerlich und ganz offensichtlich aus politischen Motiven konstruiert. Der türkische Repressionsapparat hat Max deswegen bereits im vergangenen Jahr rund drei Monate in Untersuchungshaft gehalten und ihm noch nicht einmal genaue Gründe dafür mitgeteilt. Bei einer Verurteilung drohen ihm nun bis zu zehn Jahren Haft. Ein fairer Prozess ist kaum zu erwarten.

Wie bereits bei anderen demokratischen, sozialistischen und kommunistischen JournalistInnen und etlichen weiteren, die vom AKP-Regime für ihre kritische Meinung hinter Gitter gesperrt wurden, soll an einem weiteren unliebsamen Aktivisten und Berichterstatter ein Exempel statuiert werden. Deshalb, und auch weil Max Zirngast aktiv in der türkischen Tierbefreiungsbewegung ist, erklären wir hiermit unsere Solidarität mit Max – Schluss mit dem Prozess und Freiheit für alle politischen Gefangenen!

Dass Max Internationalist ist, legen nicht nur seine Überzeugungen und sein Lebensweg nahe, der ihn als österreichischen Staatsbürger in den Kampf gegen die Rechtsentwicklung in der Türkei führte. Er reiste im März 2018 auch eigens aus der Türkei nach Hamburg, um an einer Akademie der deutschsprachigen Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung teilzunehmen. Er wollte zuhören, lernen und seine Erfahrungen aus der Türkei zur Diskussion stellen. Nicht ohne Dissens, aber immer solidarisch und an der Sache debattierte er mit den TeilnehmerInnen über die Gründe und Strategien, ArbeiterInnen, Tiere und die Natur vom Joch des Kapitalismus zu befreien.

Bereits während der Untersuchungshaft hat der Sozialist und vegane Tierbefreiungsaktivist Max Zirngast das Gefängnisessen weitgehend verschmäht und musste sich von den geringen Summen Geld, die er geschickt bekommen durfte, selbständig mit pflanzlichen Lebensmittel versorgen. Das Recht auf vegane Verpflegung im Knast, das andere Gefangene in der Türkei mühsam erkämpft haben, wurde ihm verwehrt.

Unabhängig davon ist Max‘ Situation, wie er auch selbst immer wieder betont, kein Einzelfall – weder in der Türkei noch in den Staaten ihrer NATO-Komplizen Deutschland oder USA. Wer in Zeiten sich zuspitzender internationaler Konkurrenz um ökonomische Profite, um politische Einflusssphären und ideologische Deutungshoheit im Klassenkampf aktiv für sozialistische Positionen eintritt, ist eine potentielle Gefahr für die Eigentums- und Herrschaftsverhältnisse der Eliten und ihrer Staatsapparate. Und als solche werden Max und zahlreiche andere – JournalistInnen, TierbefreierInnen, ÖkoaktivistInnen, KriegsgegnerInnen, Gewerkschaftsaktive, FeministInnen usw. – auch von ihren Repressionsorganen behandelt. Einmal im Visier der Behörden, ist es nur ein Katzensprung bis zur Kriminalisierung und Verfolgung als mutmaßlicher „Terrorist“. Die bürgerlichen Rechtsnormen sind dann nur noch bedingt gültig, die vermeintlichen Rechtsstaaten setzen das Recht aus. Sie zeigen ihre Fratze, die sich hinter der bürgerlichen Fassade verbirgt: Wenn sie von „Sicherheit“ reden, dann meinen sie die von Kapital und Bourgeoisie, nie aber unsere – geschweige denn die der Tiere oder der Natur.

So auch im Fall Zirngast. Wir fordern ein sofortiges und bedingungsloses Ende dieses politischen Prozesses und öffentliche Rehabilitierung von Max Zirngast. Wir unterstützen die Proteste und die Kampagne, die auf seine Situation aufmerksam machen. Alle demokratischen und revolutionären Kräfte stehen in der Pflicht, weiterhin politischen Druck zu entfalten, um Max zu unterstützen und für seine Freiheit wie auch die aller anderen inhaftierten oder angeklagten AktivistInnen und JournalistInnen zu kämpfen.

Until every cage is empty!
Freiheit für alle politischen Gefangenen!
Hoch die internationale Solidarität!

#FreeMaxZirngast
https://freemaxzirngast.org/

Spendenkonto
Konto: Asyl in Not Wien
Betreff: Max Zirngast
IBAN: AT69 3200 0000 1173 1379
BIC: RLNWATWW


Veröffentlicht am 10. April 2019 in den Kategorien: Allgemein Antirepression Hinweis




18 Theses on Marxism and Animal Liberation

Neither has the Marxist left stood up for the liberation of animals so far, nor has the animal rights and animal liberation movement taken up the construction of a socialist society. We argue however: Marxists and animal liberationists have the same enemy – the bourgeoisie. The following theses justify why they must unite for a truly revolutionary project.

This essay is the English translation of our German Marxismus und Tierbefreiung – Thesenpapier published on January 1, 2017. You can also download the English version in pdf format here. We also have a very small print run in English. If you want to order a copy, write us an email to: mutb@riseup.net. But, please take into consideration that it is going to take time and a monetary contribution (depending on the amount of copies you want and where you live).

In any case, since we are a completely independent, self-organised alliance, we are always in need for money. If you want to make a donation, please do so. We are happy about every amount you can afford.

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In Germany: TAN, HypoVereinsbank, BIC: HYVEDEMM300, IBAN: DE13 2003 0000 0003 6034 38
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The original German version is available on Facebook, as pdf file, audio file (read by German animal liberation rapper MC Albino) and in print. Reviews and critiques (in German) were written by the Marxist scholar Karl Reitter (Vienna, Austria) and ecological Marxist Athanasios Karathanassis (Hannover, Germany).

We want to thank André and Keith for the translation. Despite their support, we are responsible for all remaining mistakes.

If you want to contact us, go ahead. Write us a personal message on facebook or an email (mutb@riseup.net).


18 Theses on Marxism and Animal Liberation

Marxism and the liberation of animals are two things which, at first glance, do not seem to have much in common. Neither did the former make waves for being particularly animal-loving, nor are animal lovers known for taking up the cause of liberating the working class and the construction of a socialist society.

Quite the opposite: Classical Marxism has little appeal to the predominantly autonomist-anarchist animal rights activists; it is regarded as an overly simplified theory and as an authoritarian ideology which has become obsolete with the end of actually existing socialism. Although the critique of capitalism and the labour movement’s vocabulary (‘comrade,’ ‘class’) are regaining popularity amongst the radical left, one nevertheless does not quite know what to make of traditional Marxists. Marxists are considered to be people who notoriously hate animals and only talk economy, and who are often indistinguishable from petty bourgeois philistines who do not want to forego their grilled sausages.

Marxists, in turn, do not hold animal liberation activists in particularly high regard either: they are often seen as strange ascetics and bourgeois moralists who invest themselves in negligible causes instead of focusing on the key issues. They are expected to take part in actions and alliances for class struggle, but to leave their ‘animal craze’ at the door. Many comrades break out in cold sweat when they ponder a society in which both humans and animals alike are liberated from exploitation and oppression, since it would mean giving up their meat and cheese. And anyway: Friedrich Engels already made fun of the “Herren Vegetarianer” who underestimated the importance of meat consumption in the history of human civilization and who were, at best, utopian socialists.

Nevertheless, we reject this opposition and believe that the historical materialist analysis and critique of society developed by Karl Marx and Friedrich Engels, the corresponding politics and the call to liberate animals from their socially produced suffering all necessarily belong together. On the one hand, demands for animal liberation are indeed moralist if they do not analyse the historically specific conditions in which the exploitation of animals is taking place and which social changes are necessary to end it. On the other hand, however, every Marxist critique of society remains incomplete if it does not consider the fact that, to make profits, the ruling classes have not only exploited the oppressed classes within the history of class struggle, but also and always animals (and nature).

The exploitation of wage labourers on the one hand, and of animals on the other, may have qualitative differences in the way they have developed historically, and their relation to the means of productions also remains different today. In spite of all the differences, however, the working class and animals have a common history during which they have both faced the ruling class antagonistically as suffering, humiliated, oppressed and abandoned beings; the former as subjects, the latter as objects of liberation. Hence, we argue: the idea of animal liberation remains inconsistent when it repudiates the historical materialist critique of society. At the same time, Marxism remains equally inconsistent when it refuses to acknowledge that today, the liberation of animals must be integral to contemporary Marxist theory and politics. Firstly, the current stage in the development of the productive forces not only makes such liberation possible, but indeed necessary. Secondly, everyone who aspires to create a world without socially produced and objectively preventable exploitation, domination and suffering is required to also acknowledge the suffering of animals and strive for its abolition. Isolated approaches to unite Marxism and animal liberation have already occurred in the history of the left and the labour movement. But these have not become widely accepted to date. The following theses explain why Marxists and animal liberationists should not be compelled into a forced marriage but rather unite in a bond for life.

Why anti-speciesism must be Marxist

I.

Modern, capitalist society recognises animals only as material carriers of value and as capital’s means of production, as means of labour and subjects of labour which are supplied by nature for free – as long as no human labour is used to harness it.

The executives in the meat industry, the heart of the animal exploitation complex, earn billions with the killing of animals. In Germany alone, record turnovers of up to 40 billion Euros per year are reached by slaughtering more than 60 million pigs, 3.5 million cows and 700 million chicken, ducks and geese annually. Even in Switzerland, the sales volume amounts to 10 billion Swiss francs. In circuses and zoos, ‘exotic’ animals are usually kept under atrocious conditions to perform excruciating, stultifying show-acts. During hunts, they are killed for the mere amusement of mostly well-off huntsmen. In experiments, they serve as objects of research and labour, while the pet industry overbreeds and sells them off as toys. These conditions are horrific and brutal and anybody who witnesses them and who does not have a completely alienated relationship with the environment experiences at least some sort of empathy with the sentient beings when seeing them in their plight.

As a consequence, a commitment to ending animal exploitation often begins with being appalled by the killing of animals on a mass-scale and by their ideological degradation. At the same time, such a commitment may begin with an impulse of solidarity in search of an explanation for the exploitation and for a way to abolish it. Empathy with the suffering of animals then leads to a theoretical reflection on the relation between humans and animals and sparks the impulse to become active in the struggle for the liberation of animals. But how does this impulse manifest itself in practice? Let us look at the theory and practice of the current animal liberation movement.

II.

In a nutshell and somewhat simplified, the contemporary German-speaking animal rights and animal liberation movement is dominated by a politico-theoretical current which the Marxist philosopher Marco Maurizi describes as “metaphysical anti-speciesism.” It is composed of three main schools of thought:

Bourgeois anti-speciesist moral philosophy is predominant in a number of organizations and initiatives, such as PETA, which raise political demands for animal rights and animal welfare and appeal to consumers, the state and private institutions by means of petitions, lobbying, campaigns, offering expert consultancy and so forth.

Liberal legal critics form a theoretical and political bridge between moral philosophers and anti-authoritarianism. Depending on their interpretation and affinity to any of the two political theories, they may lean toward one or the other. This also explains to some degree the broad agreement in the animal welfare, animal rights and animal liberation movement that animal rights indeed are an aim to strive for.

The social liberal post-structuralist-anti-speciesist anti-authoritarianism makes its political appearance in forms of the extra-parliamentary left inspired by autonomism and anarchism respectively. Such autonomist anti-speciesism represents the core of the abolitionist wing of the animal rights and the animal liberation movement.

III.

Bourgeois anti-speciesist moral philosophy deals with the question of why the suffering of animals is considered different from the suffering of humans, or, to be more precise: why such differences provide the moral basis for actions.

Accordingly, this current vets commonly accepted justifications for killing and utilizing animals – for example that animals do not reason and lack cognitive abilities, that animal suffering is different in kind and less grave than human suffering, and so on. Also, it reveals the inner contradictions in the arguments for killing and using animals by pointing out that not all animals lack cognitive skills, for instance, and that neither are all humans (of all ages, and so on) equally capable of performing cognitive tasks. Moreover, even within the human collective, forms of suffering are so different that we could thus hardly speak of a universal human suffering in opposition to a universal animal suffering. As a consequence of such inconsistencies, advocates of the anti-speciesist moral philosophy maintain that there are no justifiable reasons to make morally significant distinctions between human and animal suffering. Accordingly, they ask why such distinctions are made in practice nevertheless. Their answer: because human society is permeated by speciesism, that is, the ideological assumption that the human species is superior. The argument is that just like racism or sexism, speciesism establishes normative boundaries that cannot be justified and thus lacks any actual foundation. Instead, according to Singer, speciesism, defined as “a prejudice or attitude of bias in favour of the interests of members of one’s own species and against those of members of other species,” is the reason for the “discrimination” against animals.

The merits of such a moral philosophy are that speciesist ideology is confronted with its own untenable claims. However, bourgeois anti-speciesist moral philosophy has numerous problems of its own: strictly speaking, it does not explain why animals are being exploited, why they are being made objects of economic utilization; rather, it explains how the different treatment of animals and humans is legitimized and shrouded under current social circumstances. This is an important distinction. Therefore, bourgeois moral philosophy can tell us which form of thought justifies that humans are not killed in abattoirs and why in the case of animals the slaughtering is not eliminated, for example. Yet it cannot contribute anything of substance on the origin and function of animal exploitation or, more specifically, explain both the abattoir as an industrialised business and for what purpose the animals are killed in it. Instead, it reduces all these questions to abstract, individual acts, views and practices that are treated in complete isolation from the functioning of capitalist society. Moreover, such moral philosophy is ahistorical: its subject matter is speciesist ideology of the bourgeois society within the here and now. It is interested in the history of human-animal relations only in terms of the history of ideology, if at all; it can tell us nothing about the social origin and the genesis of speciesist ideology.

IV.

Liberal animal rights theory primarily attempts to explain why animals, in contrast to humans, do not have civil liberties, why they are treated as objects but not as subjects of law. Its answer is essentially tautological: because animals are defined by law as property. Following this line of argument, because animals are normatively determined as human property, every serious conflict of interest between the species then leads to the defeat of non-human creatures. The status of animals as property then prepares the way for the institutionalized exploitation of animals. Depending on the respective politico-scientific reading, the problem is accordingly the absence of either negative or positive basic rights analogous to human rights. Advocates of this theory conclude that current law is based on a moral prejudice that privileges humans over animals, much in the same way as whites had once been favoured over black slaves. The theory of law thus excludes animals from being subjects of rights by definition.

The criticism of the judicial fact that animals are legally considered to be ‘things’ and/or ‘property’ of natural or legal persons has not lost any validity today. However, legal norms neither self-evidentially explain nor have they or the theory of law established the exploitation of animals. Animals are not just private property because the law says so or because jurists presume them to be. Private ownership (of the means of production) is constitutional because the law is the legal expression of bourgeois relations of production and exchange. In the course of class struggle, the ruling class has degraded nature in general and animals in particular to a means of production at their disposal, secured such hierarchy juristically and stipulated it as universally applicable. For that reason, it is lawful today for man to treat the animal as their property. Legal norms allow the exploitation of animals because they are bourgeois, not just because they are speciesist.

However, there are instances in which animal rights theorists have also contributed to focus the analytic perspective despite the legalistic and anti-speciesist mystifications immanent to their positions. In particular, among the irrevocable achievements of the anti-speciesist legal criticism is that it highlights how the juristic status quo enables an economically more efficient exploitation of animals and how it fosters the required political compliance of civil society at the same time – in other words, that the actually existing animal welfare law therefore secures rather than prevents the exploitation and oppression of animals.

Yet it weighs all the heavier, then, that animal rights theory is subservient to bourgeois illusions about state and law. Animal rights theorists sever the connection between capitalist economy on the one hand and the bourgeois form of state and its legal form on the other, and even propagate the latter as a positive frame of reference for progressive politics. Certainly, it is legitimate, insofar as it is possible, to enlist federal institutions and laws as tools in the fight against the animal industry. However, the demand to turn animals into citizens or similar subjects of rights is an ideological one. This is especially true against the background that, even among humans, state and law do not guarantee but undermine liberty, equality and fraternity.

V.

The post-structuralist-anti-speciesist critique of power proceeds in much the same way as the bourgeois moral philosophy, but radicalizes the ethical consideration of human-animal relations. It asks primarily how the animal was introduced to the world as a social construct and holds that this construct is continuously reproduced through, for example, religious, literary or journalistic publications and those of the natural and social sciences – from the bible through Descartes to Kant. Speciesism, it claims in unison, is the result of a dualist construction of society and nature, “the large occidental discourse” (Coetzee) of the human and the animal. Furthermore, advocates of this current highlight that while all those characteristics that had been somehow beneficial to the progress of human civilization – reason, science, will, rationality and so forth – are ascribed to society, whereas the side of nature is identified with everything that has been superseded and left behind by this process – spirituality, drives, affectivity, magic and so on. According to this interpretation, such a dualist construction continues within the relation between humans and animals: humans are constructed as reasonable, rational and analysing subjects, which are raised above animals who are constructed as unreasonable creatures of nature controlled by their drives and affects. Arguing by means of this dualism is the foundation of the post-structuralist-anti-speciesist critique of power to explain the political dominance of humans over animals, the control of the former over the latter as well as the latter’s exclusion from democracy.

In its proceeding, the post-structuralist-anti-speciesist approach differs little from that of anti-authoritarian feminists and anti-racists, who examine forms of sexist and racist practices in similar ways. According to this perspective, sexism exists because the woman is constructed as an emotional creature driven by affects and requiring protection, whereas the man is constructed as being rational and ‘cool headed,’ strong-minded and able to assert himself; the root of racism, in turn, is the construction of the other, for instance peoples and religions degraded as primitive in contrast to the superior Western nations.

The radicalness of the anti-speciesist critique of power amounts to showing the duality residing in speciesist ideology, to calling this duality out as an instrument of political domination and to reject passing off the struggle against one ideology as more important than fights against other ideologies. For this reason, autonomist anti-speciesists oppose animal exploitation with the same conviction that they oppose sexism, racism, homophobia and other social mechanisms of exclusion which belie any promise of bourgeois emancipation. This is also why the unity-of-oppression approach – known in its current form as intersectionality or total liberation – is so popular among them.

In purely analytic terms, many observations of anti-authoritarian anti-speciesism are correct. The problem is that they deliver mere descriptions of the dominant discourse on human-animal relations and other forms of oppression, but no explanation as to why the human-animal relation is the way it is, and why the criticized discourse is so predominant. A post-structuralist-anti-authoritarian anti-speciesism can elucidate the character of the dualism of human and animal in bourgeois ideology, that is, how it is present as an ideological form of thinking in discourses that are called upon; it cannot, however, determine the origin or the function of this ideology. It offers no explanation for what exactly created the ideological dualism of the human and the animal and what mediates it. Whenever anti-authoritarian anti-speciesists allude to this point, their analysis becomes woolly. For this reason, it remains phenomenological, in the end purely formal and, above all, idealist, as it considers mere (wrong) thinking to be the engine of history. What is more: The unity-of-oppression approach confuses the question of the qualitative interrelation between different types of oppression and their genesis with their political-normative assessment. Ultimately, it is capable only of tautological patterns of explanation: Speciesism hence arises from speciesist discourse. Historical materialist theories are mostly taboo. The question of the inner and functional correlation between bourgeois relations of production and racist ideology, for example, is confused with the question of whether capitalism as a mode of oppression is normatively worse than racism or more important an issue – or vice versa. Thus, already the attempt at analysis is rejected.

VI.

We can thus establish: both anti-speciesist moral philosophy, and its more radicalised version, anti-authoritarian anti-speciesism, as well as the liberal legal criticism offer no useful explanations for the exploitation of animals and its ideological concealment. They can describe speciesist ideology and legal norms in detail, determine their parallels and commonalities with other similarly structured ideologies and norms and also highlight inner contradictions within these ideologies and laws. They cannot tell us, however, how ideological thinking about animals or their status as property came into the world and why in bourgeois capitalist society animal exploitation took on precisely the highly technological, industrialised form which it currently has. In short: they do not help us understand why, in whose interest and how exactly animals are exploited in capitalist society.

Such theoretical deficiencies yield immediate consequences for political praxis: all three approaches deal exclusively with the inner functionality of speciesist reasoning. Accordingly, every form of animal exploitation appears to them as the result of speciesist consciousness – for them the political practice directed at liberating animals is also primarily a question of adequate thinking, moral comport and legal norms. The circle of friends, the butcher, the producer of meat, the animal testing laboratory and its lobbyists – according to those schools, they all must cast off their speciesist thinking for animals to be freed. Social praxis is here above all a question of social consciousness, which is the sum of the consciousnesses of all its separate individuals. Animal exploitation and animal liberation are reduced to a philosophical, epistemological, at best theoretical judicial problem. Moral philosophers, theorists of law and anti-authoritarian-anti-speciesists neither really explain that those who profit from the exploitation of animals have a strong interest in perpetuating current forms of animal exploitation, nor do they explain why they have this interest.

VII.

Here is precisely where Marxism comes into play. The early writings by Marx and Engels discuss the relation of being and consciousness, of nature and society and also of humans and animals. Marx and Engels pose the question in what way historically specific forms of cognition and consciousness interrelate with the way in which society is organized – in other words, the question of the element of mediation between being and consciousness. Their answer, grossly simplified: through social labour in the respective historically specific relations of production, humans produce by way of their material existence their own consciousness as well as the conditions by which this consciousness can and has to change. It is social labour – the active alteration of pre-existing conditions – which molds both nature and the functionality of society, while also creating the basis for the understanding of both. Hence, Marx and Engels say: we must look at what produces the supposed dualism between being and consciousness, between society and nature, what mediates and influences it, what constitutes the inner relation between humans, society and nature – and this something is social labour in its respective historically specific form. Therefore, the contradiction between society on the one hand, and animals and nature on the other does not simply develop in people’s minds: capitalism as a historically specific form of organizing social labour produces this contradiction constantly anew: within the capitalist process of production, animals and nature quite literally become a mere resource to exploit.

This way of understanding the relation between humans, society and nature is historical materialist. It is a materialist perspective, because it assumes that social existence forms the basis for consciousness; and its materialism is historical, because it does not consider existence as fixed and invariable but understands it as existence that is produced socially by humans themselves. There also exists an unhistorical materialism, from which Marx and Engels disassociated themselves forcefully. The relation between being and consciousness is not a deterministic one in the sense of a simple schematism, as Engels emphasizes: “The economic situation is the basis, but the various factors of the superstructure — political forms of the class struggle and its consequences, namely constitutions set up by the ruling class after a victorious battle, etc., forms of law and the reflections of all these real struggles in the minds of the participants, i.e. political, philosophical and legal theories, religious views and their expansion of the same into dogmatic systems — all these factors also have a bearing on the course of the historical struggles of which, in many cases they largely determine the form. It is in the interaction of all these factors and amidst an unending multitude of fortuities (…) that the economic trend ultimately asserts itself as something inevitable.”

VIII.

If we want to explain, criticize and abolish the exploitation of animals, rather than deal exclusively with the patterns of its legitimization, we must rely on the tools of historical materialism.

In one of their most important texts for this endeavour, The German Ideology, Marx and Engels show how humans step by step worked their way out of nature by repressing both inner and outer nature, how they learned to use and subjugate nature and how thereby humans produced the difference between nature and society themselves. According to this analysis, humans produced and domesticated themselves by learning to dominate external and their inner nature through labour. Marx and Engels highlight that humans were originally animals – and that they also remain such. However, through social labour, through the social development of production and distribution and through their socio-historical evolution humans attained a gradual difference from other animals. In Marx’s and Engels’ words: “Men can be distinguished from animals by consciousness, by religion or anything else you like. They themselves begin to distinguish themselves from animals as soon as they begin to produce their means of subsistence, a step which is conditioned by their physical organization. By producing their means of subsistence men are indirectly producing their material life.” At the same time, it would not occur to Marx and Engels to “dispute the ability of animals to act in a planned, premediated fashion,” as Engels writes in Dialectics of Nature, “but all the planned action of all animals has never succeeded in impressing the stamp of their will upon the earth.” Humans, creatures of nature, who have to satisfy natural needs such as food, drink and so forth, hence do not differ categorically but gradually from animals, and this gradual difference is the result of their own politic-economic social praxis.

IX.

Therefore, historical materialism provides a fruitful approach to explain the history and development of human-animal relations: they are the result of a process of civilization in which humans have worked their way out of nature through social labour and have thereby produced the difference from non-human animals themselves. Unlike post-structuralist anti-speciesism, for example, historical materialism can not only describe the dualism between humans and animals but also explain it. Furthermore, it can identify social labour as the element through which this dualism is constantly reproduced in practice. It follows that the ideological perceptions of animals are not mere figments of imagination but are also actually true, in so far as they have a real material foundation. Speciesist thinking about animals hence is not the basis of animal exploitation, but rather the latter’s ideological reflex. Marco Maurizi got to the heart of this: “We do not exploit animals because we deem them to be inferior, rather, we deem animals to be inferior because we exploit them.” Yet from this also follows that we have to determine the historically specific forms this relation is organised in. After all, there is no universal social labour that propels the process of civilization, but always only social labour in historically particular forms of organization.

X.

It is not just the politico-economic relations of current capitalist society that brought about classes that confront each other antagonistically, but also the preceding relations. The conflict between the classes, which results from their opposing interests, remains history’s engine to this day. Accordingly, the Manifesto of the Communist Party states: “The history of all hitherto existing society is the history of class struggles.”

Within contemporary bourgeois-capitalist class society, the organization of social labour rests basically upon two social relations: the organization of labour by way of the market – labour is a commodity – and class relations: workers and capitalists confront each other in the process of production. Capitalists own the means of production (or the necessary capital for their acquisition), they thus buy instruments of labour, subjects of labour and labour force (the latter offered by the wage labourers who have nothing else to sell) and deploy them in the production process. The product re-assumes the form of commodity, which is sold for profit. However, this profit, the accumulation of which is the reason and purpose of capitalist production, does not just fall from the sky. It can be obtained only by exploiting the workers: they work beyond the point at which they have produced a value equivalent to their wage; they thereby produce a surplus that is not at their own but at the capitalists’ disposal. Capitalists, writes Marx in the third volume of Capital, build “a veritable freemason society vis-à-vis the whole working class.”

Therefore, given that there are both exploiters and exploited in capitalist society, it is not the whole human species who exploits animals. Instead, the exploitation of animals and wage labourers first and foremost takes place following the interests and under the direction of the ruling class. Of course, the exploitation of animals and the exploitation of wage labourers differ qualitatively, and the latter do not necessarily act in solidarity with animals just because they are also being oppressed and exploited. Workers in abattoirs even kill animals. But capitalist relations of production do not only rest upon an antagonism between capitalists and the working class, but also between the ruling class and nature as well as animals. The former conducts the industrially organised exploitation of animals and profits substantially from it. Accordingly, as Marx writes, “The view of nature attained under the domination of private property and money is a real contempt for and practical debasement of, nature.” This of course includes animals. To answer the question why not only workers are exploited under capitalism but also animals – if in a particular qualitatively different way – one must examine the position and function that animals inherit in this form of organizing social labour, and hence the specific capitalist form of animal exploitation.

XI.

Animals do not immediately take part in the social relations that are characteristic for capitalism as active individuals – they do not purchase or sell anything on the market, not even their labour: when they expend labour in the process of production they do not receive wages in return. Accordingly, animals do not produce surplus value and are not part of the working class. Their exploitation corresponds to what Marx describes as exploitation of nature: by virtue of bourgeois property rights and the economic power at their disposal, the capitalists make a profit from the ruinous dealing with animals and nature. This is not exploitation in the sense of the labour theory of value. Yet Marx also does not limit the notion of exploitation to the production of surplus value. And he certainly does not conclude from the observation that slaves also do not produce surplus value that they are not exploited.

Since they cannot resist in an organized manner, animals are appropriated just like other natural materials as freely available means of production, that is, as instruments of labour (as though they were machines for the production of eggs, milk, meat and so forth) and subjects of labour (leather, meat for further processing and so on). Wage labourers perform the oftentimes violent appropriation in practice. They execute, under capital’s command, the production of surplus value, which in the animal industry encompasses killing and milking as well as performing vivisections and suchlike more. The products that are produced by animals or which they themselves are, are processed further by wage labourers and are finally sold as commodities. The production of profits hence rests not only upon the exploitation of wage labourers, but also on that of animals in particular and of nature in general. For the purpose of maximizing the profits that are realized through the exploitation of animals, capitalists are striving to integrate animals into the process of production as efficiently as possible. Efficiently also means: by abstracting from their qualities, among which is their ability to suffer.

XII.

From all this follows for us that only a historical materialist anti-speciesism proves capable of comprehensively explaining and analysing human-animal relations, which upon closer inspection reveal themselves today as relations of exploitation and domination between capital on the one hand and the proletariat, animals and nature on the other. A historical materialist anti-speciesism opens up new perspectives for the analysis and critique of bourgeois class society, and it identifies areas in which the capitalist order proves vulnerable and which need to be targeted in order to liberate animals from exploitation.

Indeed, one cannot conclude from the critique of political economy that animals would automatically be liberated within a socialist or communist society. Yet, the struggle against the rule of capital and its expropriation are necessary preconditions in order to enable people to collectively cast the decision: we will liberate the animals!

As long as the relation of capital persists and with it the control of the ruling class over what is produced, as well as how and by what means, capital will appropriate nature and incorporate everything into the process of valorisation from which one cannot save oneself or take a stand against.

Why Marxism must be anti-speciesist

XIII.

For Marxists, much of what has been said so far is not new. Historical materialism and the Marxian critique of political economy are after all the guiding principle of their economic and political analyses. They could therefore shrug their shoulders and tell the animal liberationists: well spotted, now stop with the moralizing and start fighting capitalism with us. And they would have good reasons for this!

We think, however: If one is serious about historical materialism, then one must acknowledge that humans and animals do not only have a shared history. Above all, the oppressed, exploited classes and animals have the same enemy, who profits from and is responsible for their exploitation while also organizing – in different ways – their oppression: the ruling class. In addition, Marxists need to recognize that due to its damaging social and ecological effects the current extent of animal production is objectively irrational and obstructs social progress.

XIV.

The current level of the development of productive forces does not just allow us to think about resolving the socially produced suffering of animals and to pose the question of including them in the struggle for liberation. A glance at the carbon footprint of the meat industry or its mindless consumption of natural resources also highlights the urgent necessity to develop a Marxist position on the social dealing with animals. The contradiction between capitalism and nature has reached a scale today that threatens the principal survival of the human species – to which industrialised animal production makes a significant contribution.

Today, the exploitation of animals is not only objectively unnecessary, but irrational and counter-progressive. It causes excessive and ever-growing consumption of resources such as water and soy, which are not used for meaningful purposes but are deployed in the production of meat, milk and eggs, and which are not at all rationally distributed. The ecological damages caused by clearing rain forests, by monoculture cultivation or by the pollution of water are already partially irreversible. Therefore, whoever believes that they can ignore the production of meat or even transpose it into a socialist operation, is taken in by the naïve and romanticized image of industrialized food production that the capital lobby groups are promoting. The conversion of the food and meat industry into ecologically sustainable, vegan and socially planned production, in contrast, would be a timely socialist demand.

It is well-known that the utilization and consumption of animals plays an important part in the history of human civilization. This, however, does not warrant its continuation to the present day: today’s productive forces do not only permit sympathy for the suffering of animals, but they also make it possible and necessary to restructure the relations of production accordingly. And, as the present theses in this paper ought to prove, Marxists have no reasonable cause not to do so.

The fact that the technological potential of developed capitalism enables historical progress should not hide the fact that this potential also allows for capacious destruction: it contains the possibility for liberation and at the same time for total reification, disregard and annihilation of life. If modern productive forces shall no longer be destructive forces but means for the unfolding of progress and well-being, those who have a mutual interest in this must join forces. They need to change the social relations, so that the productive forces are no longer deployed for the profit of few, but instead be developed and applied for the benefit of all. That is why we say: Marxists and animal liberationists should join forces in their struggle for a revolutionary, truly civilizing project – the liberation of humans, animals and nature.

XV.

In contrast to idealist conceptions of history, historical materialists assume that not ideas, but class struggles are the engine of human history. This struggle is based on the fact that within class societies the interests of classes which antagonistically oppose each other can never be reconciled – the antagonism can merely be disguised, or, rather, be suppressed by way of ideological mechanisms, religion, politics, law and so on. The ruling class is at pains to assure as much, for example by imposing their ideas as the dominant ideas.

Just as there are qualitative differences in the functions animals and wage labourers have within the process of production and in the process of their exploitation, the role animals inherit in the struggle against the ruling class is also different from that of the wage labourers. Wage labourers can organize to defend themselves, plan strikes and demonstrations or think about a liberated society. Above all, however, in contradistinction to animals, they can analyse the social conditions under which they are being exploited and dominated and, consequently, derive concrete measures to organize their own liberation. For this reason, the working class can be the subject of its own liberation. Animals, in contrast, can only be objects of liberation.

When it comes to the question of animal liberation, traditional Marxists often bring up this difference between wage labourers and animals. They argue that no historical necessity for the liberation of animals can be deduced from a systematically reflected social analysis. This is correct: when it comes to its implementation, animal liberation is essentially a politico-economic question – its necessity cannot be derived immediately from an analysis of capital. Yet the situation with regard to abolishing wage slavery is not significantly different. As a historical necessity, organized class struggle from below can neither be deduced from the analysis of capital relations and the realization that class struggle is the driving force of history. It also only exists if and when wage labourers politically decide to take it up.

Revolutionary Marxists not only analyse the modern mode of production. They also make the political decision to fight against their subjugation to capital based on their experiences, their suffering, their consciousness that they have of capitalist exploitation and their knowledge of the “material conditions, which alone can form the real basis of a higher form of society, a society in which the full and free development of every individual forms the ruling principle,” as Marx writes.

Whoever has accepted that liberation is necessary (at all) to end socially produced suffering and exploitation has no reason – other than an ideological one – to exclude animals from this endeavour. The analysis of capital relations as central relations of exploitation and domination in today’s society shows that the production of capitalist profits is not solely based upon the exploitation of wage labourers, but also upon the exploitation of animals (and nature in general). Capitalist production, in which the interaction between society and nature is organized in order to maximize profits, simultaneously saps the original sources of all wealth: “the soil and the labourer” (Marx). An uncompromising struggle for the abolishment of this relation must therefore include the struggle for the liberation of animals and nature.

XVI.

Thus, once one has decided to fight for liberation, there is no reason why one undertakes everything to end socially produced suffering, while at the same time excluding animals from this goal (according to some Marxists this is even the case in communism). Indeed, despite all qualitative differences in the exploitation of wage labourers and animals: both humans and animals alike have the capacity to suffer – even though it constantly takes on different forms. It would be inconsistent and a product of false consciousness to set a clear and absolute distinction between humans and animals where this capacity is concerned, something which has remained their commonality in spite of the gradual differences that have been developed socio-historically.

At this point, many Marxist comrades object saying that all the talk of suffering is moralism, and that morals cannot provide the foundation for a class conscious anti-capitalist politics. After all, one cannot fight the bourgeoisie with empathy or appeals to sympathy, but with an organization and a deliberate political line developed on the grounds of a concrete analysis of the concrete situation. And this is correct, but even so, they make two mistakes: they misjudge the historical materialist significance of suffering and confuse the genuine existence of morality with bourgeois moralism.

The suffering we are writing about here is not an idealistic, but a historical materialist category. It is not a kind of suffering like lovesickness or toothache, but a suffering which is grounded necessarily in society’s organization, in its relations of production, and accordingly can and must be alleviated and potentially abolished. The will to do precisely this is an essential propulsion of class struggle and solidarity – it is part and parcel of historical materialism’s spark. To neglect the suffering in Marxist theory means accordingly to negate an important element of its foundation.

Even politics in the best Marxian sense is initially motivated by morals, for the simple reason that, as we have demonstrated, the suffering under (wage) slavery and exploitation is a catalyst of the search for possibilities to abolish capitalism. The realization that the production of exploitation, oppression, imperialism and suchlike is inherent to capitalism, or, in other words: that it spawns conditions under which we suffer, causes Marxists to analyse and criticize society and, on this basis, to do revolutionary politics.

We can hence establish: Marxists are also driven by a moral impulse, which is essential for the decision to become politically active as well as to promote political messages. Yet they do not stop there. Rather, they realize the political and economic limitations of empathy and make the experience of suffering the starting point of a historical materialist analysis of society. Thereby, they derive the political necessity to organize themselves not exclusively from the exploiteds’ collective experience of suffering, but from the understanding of the objective position wage labourers occupy in the social fabric – and which possibilities for a class struggle from below arise from this.

This is the difference between morality and moralism: revolutionary morals understand that a “really human morality which stands above class antagonisms and above any recollection of them becomes possible only at a stage of society which has not only overcome class antagonisms but has even forgotten them in practical life” (Engels).

XVII.

As long as the class antagonism is not overcome, the alienation of workers from their product of labour, from themselves, from the social process of production and from nature will also persist. In the animal industry, such alienation needs to be extreme so that wage labourers are able to harm creatures capable of suffering in the process of production, to process them industrially, that is, to kill them. Within capitalist exploitation of animals, we lose the consciousness that we have an essential commonality with animals: that we, too, possess a tormentable body, and that ultimately to be a human also means to be an animal. The suppression of the inner nature of humans is both a condition and a consequence of the capitalist mode of organizing social labour at the same time.

XVIII.

When taking all of this into account, then we also have to conclude: the very indignation we experience in the face of capitalism’s brutality that drives us to a Marxist analysis of society and to resistance is the same one that animal liberationists experience in the face of the suffering of animals. The enemy of animals – capital – is also the enemy of humans. As a Marxist, as an anti-capitalist, one must turn this impulse of solidarity into fuel for one’s life, and understand and acknowledge the objective position of animals within the capitalist process of production, that is, that they belong to those oppressed creatures at whose expense the ruling class accumulates its wealth. The class struggle for the liberation of animals is the struggle for the liberation of the proletariat.

Bündnis Marxismus und Tierbefreiung/Alliance for Marxism and Animal Liberation is an association of people active in the animal liberation movement and in the communist left.


Veröffentlicht am 5. August 2018 in den Kategorien: Allgemein Texte Tierbefreiung




Wir gegen Wiesenhof – Solidarität mit den acht SchlachthofbesetzerInnen von Bogen und Wietzen-Holte!

Wer im Stich läßt seinesgleichen, läßt ja nur sich selbst im Stich.
Bertolt Brecht

Ende Februar und Anfang Mai wird acht Tierbefreiungs- und TierrechtsaktivistInnen aus ganz Deutschland vor dem Amtsgericht im bayrischen Straubing und vor dem niedersächsischen Landgericht Verden der Prozess gemacht. Ihnen wird „Sachbeschädigung“, „Nötigung“ und „Hausfriedensbruch“ vorgeworfen.

Faktisch sitzen alle acht aber nicht wegen der Bagatelldelikte auf der Anklagebank, die ihnen zur Last gelegt werden, sondern wegen ihres Protests und Widerstands gegen die kapitalistische Ausbeutung und Tötung von Tieren durch Deutschlands Geflügel-Schlachter Nummer eins: die PHW-Gruppe. Das niedersächsische Unternehmen ist in der Öffentlichkeit besser bekannt unter dem Namen Wiesenhof, eine der PHW-Tochtergesellschaften und das Flaggschiff des Firmenimperiums der Kapitalistenfamilie Wesjohann.

Blockaden und Besetzungen von Schlachtfabriken

Hintergrund der juristischen Verfahren sind zwei Aktionen des kollektiven zivilen Ungehorsams gegen den Wiesenhof-Konzern. Im Februar 2016 besetzen 30 TierbefreiungsaktivistInnen Baukräne und das Baubüro auf einer Baustelle in Bogen bei Straubing, verteilten Flyer und hängten Transparente auf. Dort sollte eine Hühnerschlachtfabrik wiederaufgebaut werden, die zuvor abgebrannt war. Sie ist Eigentum von Deutschlands führenden Geflügelfleischproduzenten. Sieben der 30 Beteiligten werden nun in Straubing dem Richter vorgeführt.

Im August 2016 wurde ebenfalls ein Schlachthof des Geflügelfleisch-Monopolisten im niedersächsischen Wietzen-Holte blockiert. Ein Aktivist nahm dabei auf einem LKW Platz und räumte ihn für mehrere Stunden nicht. Der Nienburger Amtsrichter Jan-Hauke Förtsch verurteilte ihn dafür zu drei Monaten Gefängnis ohne Bewährung. Der Justizbeamte war der Auffassung, eine besonders drakonische Strafe verhängen zu müssen, weil der Angeklagte mutmaßlich „in der Unrechtstradition politischer Straßenkämpfer wie der SA“ gestanden habe, „derer Methoden er sich im Kern bedient hat“. Gegen dieses Urteil beginnt im Mai am Landgericht Verden die Berufungsverhandlung.

Respekt, Solidarität und Unterstützung

Wir können das Handeln unserer FreundInnen und GenossInnen gut verstehen. Unzählige Male standen Tierrechts- und TierbefreiungsaktivistInnen schon vor Unternehmenstoren, ignoranten Konzernchefs oder FilialleiterInnen, die nur ihre Profite im Kopf haben, und teilnahmslosen PassantInnen. Wir sagen ihnen immer wieder, dass uns die Produktion, Verkauf und Verzehr von Fleisch von Wiesenhof und anderen nicht passt. Unsere FreundInnen und GenossInnen haben sich vor diesem Hintergrund entschieden, dafür zu sorgen, dass zumindest an einigen Orten das Schlachten beendet wird; dass das, was ihnen und uns nicht passt, auch nicht mehr länger geschieht.

Dafür gebührt ihnen größter Respekt, unsere Solidarität und Unterstützung.

Das Nachtreten der Staatsapparate wirkt angesichts 240 Millionen geschlachteter Vögel und einem Umsatz von knapp 2,5 Milliarden Euro im Jahr der PHW-Gruppe für das industrielle Töten wie eine Marotte bornierter BürokratInnen. Doch Repression ist ein notwendiges Übel im Kampf gegen Ausbeutung und Unterdrückung von Mensch und Tier. Das haben auch die Verfahren und Gesetzesverschärfungen der letzten Jahre in Westeuropa und den USA gezeigt. Es war also nicht anders zu erwarten. Gesetz und Ordnung sind überall und immer Gesetz und Ordnung derjenigen, welche den etablierten Gesellschaftsbau schützen. Sie treffen jene, die ihn in Frage stellen.

Deswegen sitzen zwar acht vor den Richtern, aber die Anklage gilt uns allen. Wir werden uns aber nicht vom juristischen Schmierentheater beirren lassen. In der Geschichte sind nie grundlegende Fortschritte ohne Widerstand und außergesetzliche Mittel gemacht worden, sofern die gesetzlichen sich als unzulänglich herausgestellt haben. Was sind besetzte Kräne, blockierte Zufahrtswege und ein paar Transparente gegen Elektrowasserbäder für Puten und Hühner oder vollautomatisierte Schlachtstraßen? Was ist die Blockade eines Schlachthofs gegen den Bau eines Schlachthofs?

ErstunterzeichnerInnen:
Animal Climate Action, Animal Uni Tierbefreiungsgruppe der Berliner Hochschulen, Assoziation Dämmerung, Berliner Tierbefreiungsaktion, Bündnis Marxismus und Tierbefreiung, die tierbefreier e.V., Kampagne gegen Tierfabriken, Offensive gegen die Pelzindustrie, Tierbefreiung Hamburg, Tierfabriken-Widerstand, Tierrechtsgruppe Zürich, Tierrechtsinitiative Hamburg

Weitere UnterzeichnerInnen: Twelve Monkeys – Vegankrams, Dr Pogo Veganladenkollektiv

Mehr Infos unter: kampagne-gegen-tierfabriken.info

Juristische Verfahren kosten Geld. Spendet auf folgendes Konto:
DE29 5139 0000 0092 8818 06VBMHDE5F Volksbank Mittelhessen
Verwendungszweck: Kampagne gegen Tierfabriken (bitte unbedingt angeben)


Veröffentlicht am 23. Februar 2018 in den Kategorien: Allgemein Antirepression




Linker Gegenkultur eine Perspektive geben!

Melodie & Rhythmus ist ein Magazin für kulturelle und künstlerische Fundamentalopposition gegen die alle Lebensverhältnisse von Mensch, Tier und Natur beherrschende falsche Produktionsweise. Doch die Einnahmen reichen nicht, um die hohen qualitativen Inhalte und die hervorragende Arbeit der Redaktion auf Dauer zu finanzieren. Die Produktion von M&R musste vorerst eingestellt werden.

Um das einzige professionelle Magazin für Gegenkultur vor dem Untergang zu bewahren, sind wir als Linke gefordert. Aufgeben – das geht gar nicht in Zeiten des aufhaltsamen Aufstiegs rechter und neokonservativer Demagogen, ihrer Organisationen, Medien und Parteien. Fortschrittliche Kultur darf nicht weiter an den Rand gedrängt und zerstört werden. Wir rufen daher alle dazu auf, noch heute ein Perspektivabo für die Melodie & Rhythmus zu erwerben!

M&R muss mit vereinten Kräften unterstützt und gerettet werden!


Veröffentlicht am 31. Januar 2018 in den Kategorien: Allgemein




Interview: »Tiere sollen keine Produktionsmittel sein«

In der Tageszeitung junge Welt ist am 12. Dezember 2017 ein Interview mit dem Bündnis Marxismus und Tierbefreiung erschienen, welches wir an dieser Stelle dokumentieren.

Bündnis verknüpft Marxismus und die Überwindung des Kapitalismus mit der Befreiung der Kreatur. Gespräch mit Daniel Werding

Interview: Christof Mackinger

Vor drei Jahren sind Sie mit dem Bündnis »Marxismus und Tierbefreiung« angetreten, um »eine theoretische und praktische Vereinigung« der marxistischen Linken und der Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung voranzutreiben. In einem Thesenpapier haben Sie dies unlängst ausgeführt, und bei Ihrer kommenden »Osterakademie« in Hamburg wollen Sie die Diskussion vertiefen. Nun ist Marxismus vielen ein Begriff. Was ist unter Tierbefreiung zu verstehen?

Mit dem Begriff wird der Flügel jener sozialen Bewegung bezeichnet, die sich für ein anderes Verhältnis zu Tieren in der Gesellschaft einsetzt. Die Tierbefreiungsbewegung lehnt »Tierwohl« und den klassischen »Tierschutz« ab. Tierwohl ist eine Propagandavokabel der Industrie und der ihr wohlgesonnenen Staatsapparate. Sie meint, dass die Konzerne minimale Änderungen im Umgang mit Kühen, Schweinen usw. vornehmen, sich aber faktisch nichts Wesentliches ändert. Mit dem Tierschutz ist es ähnlich. Wir wollen aber nicht größere Käfige, kürzere Tiertransporte und das Ende der offenkundigsten Misshandlungen, sondern das Schlachten beenden und die Tiere befreien: »Artgerechte Haltung« oder »Nutzung« gibt es nicht. Tiere sollen keine Produktionsmittel sein und nicht wie Gratisproduktivkräfte behandelt, für Profit getötet und als Waren verhökert werden.

Täglich sterben Menschen im Mittelmeer, der Sozialstaat wird ab- und der Überwachungsstaat ausgebaut. Warum setzen Sie sich dann ausgerechnet für Tiere ein?

Wir lehnen es ab, die verschiedenen Probleme des Klassenkampfs gegeneinander auszuspielen. Die herrschende Klasse macht aus allem Geld, was es auf diesem Planeten gibt. Wir können ihr nicht einfach ein zentrales Feld wie die Tierindustrie überlassen. Die Spaltung nutzt dem Gegner, nicht uns. Im übrigen engagieren sich die Mitglieder unseres Bündnisses ebenso etwa gegen die imperialistischen Kriege der NATO und der EU.

Aber warum soll sich die Linke für Tierbefreiung interessieren, was hat das mit Marxismus zu tun?

Der historische Materialismus und Marx’ Analyse der kapitalistischen Produktionsweise sind ein Werkzeug, mit dem man die Ausbeutung von Arbeitern, Tieren und der Natur im Kapitalismus theoretisch begreifen und ihre Befreiung begründen kann. Ein Blick ins Marxsche »Kapital« zeigt zudem, dass die Kapitalisten neben den lohnabhängigen Klassen auch die Natur und die Tiere ausbeuten – wobei sich die Formen unterscheiden. Auf Basis der Marxschen Kritik der politischen Ökonomie können wir zudem eine Strategie für eine kollektive antikapitalistische Praxis entwickeln, in der Tiere zwar nicht Subjekte, aber Objekte der Befreiung sind.
Wenn man sich die Fleischindustrie anschaut, gibt es zahlreiche Gründe, warum die antikapitalistische Linke und die Tierbefreiungsbewegung gemeinsam für ihre Abschaffung kämpfen sollten. Marx hat einmal, Thomas Müntzer zitierend, gesagt, auch die Kreatur müsse frei werden.

Wie stellen Sie sich eine gesellschaftliche Befreiung der Tiere vor?

Die Befreiung der Tiere ist angesichts des heutigen Stands der Produktivkräfte problemlos realisierbar. Sie benötigt aber einen Bruch mit den kapitalistischen Eigentumsverhältnissen. Nur wenn uns die Schlachthäuser gehören, können wir sie dichtmachen oder einer Konversion hin zur gesellschaftlich sinnvollen Produktion unterziehen. Da gibt es keinen Unterschied zur Kohle-, Waffen- oder Kulturindustrie.


Veröffentlicht am 14. Dezember 2017 in den Kategorien: Allgemein




Hamburg, 30.3.–1.4.2018: Osterakademie des Bündnis Marxismus und Tierbefreiung

Das Bündnis Marxismus und Tierbefreiung organisiert vom 30. März bis 1. April 2018 in Hamburg ein Veranstaltungswochenende unter dem Titel „Die Zukunft der Bewegung – Tierbefreiung zwischen Opposition und Affirmation“. Das Programm und weitere Infos finden sich auf www.osterakademie.tk. Hier im Folgenden das Mobi-Video und der Aufruf zur Osterakademie:

Die Zukunft der Bewegung

Tierbefreiung zwischen Opposition und Affirmation

Die Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung ist gegenwärtig mit mindestens drei Herausforderungen konfrontiert:

Trotz umfangreichen, vielfältigen Aktivismus und vereinzelter Erfolge gerät sie im Kampf mit den politischen und ökonomischen Profiteuren der Tierausbeutung zusehends ins Hintertreffen. Die Fleisch- und andere Tierindustrien blühen, ihre willigen Vollstrecker in den Staatsapparaten sorgen für politische und ideologische Rückendeckung und die entsprechende Kultur feiert – wie etwa die Pelzmode – fröhliche Urständ. Dennoch führt die »Bewegung« keine strategischen und organisatorischen Diskussionen, sondern hält am Eingeübten und einst Bewährten fest. Unsere Proteste vereinzeln, die politische Wirkung versiegt, noch bevor sie sich entfalten könnte. Zu jedem Zirkus eine Demo, vor jedem Laden eine Kundgebung, zu jedem Thema eine Kampagne – seien sie auch noch so aussichtslos und die Beteiligungen gering.

Gleichzeitig greifen etablierte Institutionen, wie z.B. Staatsapparate, Parteien, Stiftungen, Zeitungen, Universitäten usw., die verschiedenen Forderungen einzelner Bewegungsakteure auf. Dies erscheint zunächst positiv. Mit dieser Entwicklung ist allerdings auch die Gefahr der politischen Neutralisation verbunden. Ob Fortschritt oder nicht – die Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung reagiert darauf bislang überwiegend unkritisch affirmativ. Hauptsache »aktiv für die Tiere« lautet scheinbar die Devise. Dabei haben etwa die Heinrich-Böll-Stiftung oder die Linkspartei keineswegs per se die Absicht, etwas für die Tiere oder die Tierbefreiungsbewegung zu tun. Sie verfolgen ihre eigenen Interessen, für deren Durchsetzung politische Bewegungen und AktivistInnen bisweilen eher nützliche IdiotInnen statt BündnispartnerInnen sein sollen. Ganz zu schweigen von den social-media-affinen Ich-AGs und NGOs, für die Tiere und das Mitleid mit ihnen in erster Linie eine lukrative Geschäftsidee sind. Auch die vegane Sub- und Gegenkultur wird durch Unternehmer wie Attila Hildmann, mit jedem entpolitisierten Konsumfest und jeder Konzern-Kooperation Schritt für Schritt dem bürgerlichen Lifestyle preisgegeben.

Schließlich erodiert allmählich das ohnehin sehr brüchige inhaltliche und politisch-strategische Fundament der Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung. Auf Großereignissen der Bewegung wie bei Bündnistreffen klammert man Widersprüche eher aus, als sie auszutragen. Politische Bildung geht nicht über den rudimentären alltagstauglichen Polit-Wortschatz hinaus. Organisationsdebatten münden in die Vermessung bewegungs- und gruppeninterner Wohlfühlzonen. So nimmt es nicht Wunder, dass schwer erkämpfte politische Positionen nach innen und außen unterminiert werden, mühselig erarbeitete linke gesellschaftskritische Theoriebestände versickern und von wissenschaftlich und gesellschaftlich genehmen, liberalen Human-Animal-Phrasen überlagert werden. In logischer Konsequenz wird u.a. die ALF aus der Bewegung heraus als »gewalttätig« dämonisiert, Tierschutz als Ziel des Kampfes für die Tiere akzeptabler, historischer Materialismus und Marxismus werden plump denunziert und das bürgerliche Recht sogar als Verhandlungsgrundlage zur »Befreiung« der Tiere akzeptiert.

Auf diese Herausforderungen müssen wir politisch und organisatorisch reagieren, wenn wir wollen, dass die Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung nicht den Weg der Affirmation beschreitet, sondern den der Opposition durch revolutionäre Realpolitik. Nur letzterer bietet die Möglichkeit, wieder Erfolge zu erringen und gleichzeitig die Perspektive für die Befreiung von Mensch und Tier zu verbessern.

Mit der Osterakademie 2018 möchten wir, das Bündnis Marxismus und Tierbefreiung, dazu beitragen, die skizzierten Probleme anzugehen und Argumente für die richtige Richtungsentscheidung zu sammeln. Mit Workshops, einführenden Vorträgen und Podiumsdiskussionen mit Gästen aus der Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung wollen wir Lösungsvorschläge debattieren und organisatorische Perspektiven entwickeln.

Osterakademie des Bündnis Marxismus und Tierbefreiung // 30. März – 1. April 2018 // Hamburg

Hier geht’s direkt zum Programm


Veröffentlicht am 2. Dezember 2017 in den Kategorien: Allgemein Hinweis Veranstaltungen




Veranstaltungshinweis: Der große Marx-Schwindel

Hamburg, 22. September 2017, 19 Uhr, Magda-Thürey-Zentrum, Lindenallee 72 (Nähe U-Bahn Christuskirche). Eintritt: Spende.

Eine Veranstaltung der Melodie & Rhythmus – Magazin für Gegenkultur

Vor 150 Jahren erschien »Das Kapital« von Karl Marx. Er selbst fand, das Werk sei »das furchtbarste Missile, das den Bürgern noch an den Kopf geschleudert worden ist«. Doch im Jubiläumsjahr steht der Theoretiker Marx deutlich höher im Kurs als der Revolutionär: Der bürgerliche Mainstream feiert ihn als irgendwie »aktuell« zu Tode und warnt vor seiner »kommunistischen Vereinnahmung«. Linke und »Marx-Experten« drücken sich geradezu zwanghaft um die Aussage herum, dass Marx Kommunist war und das »Kapital« geschrieben hat, um der Arbeiterklasse eine Waffe für den Kampf gegen Ausbeutung und Klassenherrschaft an die Hand zu geben. So wird die Beschäftigung mit Marx zu einem großen Schwindel.

Michael Sommer arbeitet zur Marxschen Kritik der politischen Ökonomie.

John Lütten ist Autor für die Tageszeitung junge Welt und die Melodie & Rhythmus.

Moderation: Susann Witt-Stahl (Chefredakteurin Melodie & Rhythmus)

Der Veranstaltungsflyer steht hier zum Download bereit:


Veröffentlicht am 6. September 2017 in den Kategorien: Allgemein Hinweis Veranstaltungen




Interview des Nachrichtenblogs »Die Freiheitsliebe« mit dem Bündnis Marxismus und Tierbefreiung

Das Portal für Kritischen Journalismus »Die Freiheitsliebe« hat ein Interview mit dem Bündnis »Marxismus und Tierbefreiung« geführt. Anlass für das Interview, das wir im Folgenden dokumentieren, bot die Veröffentlichung des Thesenpapiers »Marxismus und Tierbefreiung«. In dem Interview geht es u.a. um die Fragen, warum Marxisten und Tierbefreier sowohl theoretisch als auch politisch und organisatorisch einen »Bund fürs Leben« eingehen sollten und welche Rolle Tiere und ihre Ausbeutung in der kapitalistischen Wirtschaftsweise spielen.

[Hier geht's zum Interview auf der Hompepage der »Freiheitsliebe«]

Die Freiheitsliebe: Vor einigen Monaten habt ihr ein Papier mit 18 Thesen verfasst, die sich mit dem Zusammenhang von Marxismus und Tierbefreiung beschäftigen. Warum seht Ihr die Notwendigkeit, euch mit beiden Themen zu befassen?

Bündnis Marxismus und Tierbefreiung: Um diese Frage zu beantworten, müssen wir ein wenig ausholen. Für gewöhnlich ist es doch so: Der Impuls, sich dem Marxismus zuzuwenden, wird meist durch die Erfahrung ausgelöst, dass es in unserer Gesellschaft – salopp gesagt – nicht gerecht zugeht. Auf der einen Seite leben die Schaefflers, Bezos’, Buffets usw. in ihren Palästen in Saus und Braus. Auf der anderen Seite stehen die Ausbeutung von LohnarbeiterInnen und die Überausbeutung von Teilen der marginalisierten Bevölkerungsgruppen. Armut nimmt zudem im real existierenden Kapitalismus vielerorts absurde Ausmaße an: Laut UN werden in diesem Jahr voraussichtlich 20 Millionen Menschen (sic!) in Gebieten wie Südsudan, Somalia, Jemen und Nigeria verhungern, während dutzende Millionen immer noch ihr Dasein als Sklaven oder in sklavenähnlichen Arbeitsverhältnissen fristen. Der ehemalige UNO-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, Jean Ziegler, hat zu Recht gesagt: »Wer jetzt am Hunger stirbt, wird ermordet.« Um diese buchstäblich irrationale Organisation der Gesellschaft zu verstehen, von der sehr Wenige sehr viel profitieren, bietet der Marxismus immer noch die beste Erklärung: Man kann den Wahnsinn mit Hilfe der marxschen Theorie begreifen und zugleich weiß man, was zu tun ist, um ihn zu beenden.

Mit dem Thema Tierbefreiung verhält es sich im Grunde sehr ähnlich. Die realen Beziehungen, in die Tiere in der kapitalistischen Klassengesellschaft gezwängt werden, können niemanden kalt lassen, dessen Herz nicht schon verhärtet ist. Jedes Jahr vermeldet das Bundesamt für Statistik neue Höchstwerte für die Fleischproduktion. 2016 wurden allein in der BRD knapp 60 Millionen Schweine und 3,6 Millionen Rinder geschlachtet. Lebewesen, die nachweislich intelligent sind, bewusst Erfahrungen machen, die hochgradig sozial handeln, die Schmerzen empfinden, die unter Ausbeutung und Herrschaft leiden können usw., werden zu hunderten Millionen jedes Jahr ohne Not und für den Profit einiger weniger getötet. Und damit haben wir noch gar nicht das Elend der Milchkühe, Legehennen, der Versuchs-, Zoo- und Zirkustiere angesprochen.

Nun ist es so, dass es zwar viele Vorschläge gibt, die Ausbeutung der Tiere auf den Begriff zu bringen. Sie wird von diversen AutorInnen aus einer um die Interessen der Tiere verkürzten Moral, aus dem speziesistischen Rechtsstatus der Tiere oder, was der Sache am nächsten kommt, aus der Herrschaft des Menschen über die Tiere abgeleitet. Diese verschiedenen Ansätze weisen aber allesamt einige Defizite auf. Zum Beispiel erklären die meisten Tierrechtler- und TierbefreierInnen die Ausbeutung der Tiere aus dem ideologisch-kulturellen Überbau der kapitalistischen Gesellschaft, obwohl Marx und Engels solche idealistischen Erklärungen widerlegt haben. Tiere und ihre Körper sind für das Kapital nur Waren und Produktionsmittel, und genau so werden sie auch behandelt. Was die einzelnen Wurstfabrikanten und Fleisch-Kapitalisten oder ihre Beschäftigten moralisch über Tiere denken, ist darum nicht das Entscheidende. Auch beuten nicht »die Menschen« »die Tiere« aus. Eine Fraktion der Kapitalistenklasse lässt die Tiere zu ihrem individuellen ökonomischen Vorteil ausbeuten.

Der historische Materialismus und die Kritik der politischen Ökonomie, wie Marx und Engels sie erarbeitet haben, ermöglichen uns eine präzisere Analyse der Tierausbeutung in unserer heutigen Gesellschaft und zeigen zudem, dass die Tierindustrie vor dem Hintergrund der Produktivkraftentwicklung vollkommen irrational- und massiv an der Zerstörung der Lebensgrundlagen auf der Erde beteiligt ist. Die Notwendigkeit, sich mit Marxismus und Tierbefreiung auseinanderzusetzen, rührt also erstens daher, dass die Aufrechterhaltung des Status quo schlicht keine Option ist. Zweitens bietet der Marxismus das beste Handwerkszeug, um die Ursachen der Ausbeutung von der Mehrheit der Menschen und von Tieren in der kapitalistischen Gesellschaft zu verstehen. Drittens hilft marxistische Gesellschaftstheorie dabei, eine geeignete Strategie zu entwickeln, die sich nicht nur auf eine bereinigte Sprache und einen tierfreundlichen Lebensstil beschränkt, und mit der sowohl die Menschen als auch die Tiere befreit werden können. Unser Thesenpapier ist ein Angebot an alle, die bereit sind, über dieses Ziel ernsthaft nachzudenken und zu diskutieren.

Die Freiheitsliebe: Ihr fordert, Marxisten und Tierbefreier sollten einen »Bund fürs Leben« schließen. Wie kann ein solches Bündnis aussehen?

Bündnis Marxismus und Tierbefreiung: Ja – wir schreiben, dass sie keine »Zwangsehe«, sondern eben einen »Bund fürs Leben« schließen sollten. Es geht also nicht darum, dass sie bloß punktuell kooperieren und ansonsten nichts miteinander zu tun haben, sondern es soll ein gemeinsames Projekt mit einer gemeinsamen inhaltlichen und politischen Agenda sein. So ein Bündnis sollte, grob umrissen, mindestens zwei Ebenen umfassen – eine theoretische und eine politisch-organisatorische.

Auf der Ebene der Theorie meinen wir, wie bereits angedeutet, dass Marxismus und Tierbefreiung ganz klar zusammengehören. Der historische Materialismus liefert eine konkrete und brauchbare Erklärung dafür, wie und warum sich Mensch und Tier im Laufe der Zivilisationsgeschichte unterschiedlich entwickelt haben – nämlich, weil der Mensch sich mittels gesellschaftlicher Arbeit aus der Natur herausarbeitet und den Unterschied zum Tier somit selber produziert. Daraus folgt eben wie gesagt auch, dass wir heute die kapitalistische Organisation gesellschaftlicher Arbeit in der bürgerlichen Gesellschaft betrachten müssen. Und hier meinen wir, dass die Marx’sche Kritik der politischen Ökonomie das geeignetste Mittel ist, um die kapitalistische Produktion von Fleisch, Milch, Eiern etc. zu analysieren. Die genannten in der derzeitigen Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung populären Erklärungsmuster für Geschichte und heutige Beschaffenheit des Mensch-Tier-Verhältnisses können so eine Erklärung nicht leisten. Deswegen formulieren wir im Thesenpapier jeweils eigene Kritiken dieser Ansätze und argumentieren für den genannten »Bund fürs Leben«. Für die Marxisten wiederum bedeutet all das dreierlei: Erstens, zur Kenntnis zu nehmen, dass die Tierausbeutung historisch nicht nur nicht mehr notwendig ist, sondern auch umfassende Destruktivkräfte entwickelt. Zweitens, dass Mensch und Tier eine gemeinsame Geschichte haben, die Fähigkeit teilen, zu leiden – und es für Marxisten als historische Materialisten also keinen vernünftigen Grund gibt, das Leid der Tiere nicht ebenso abschaffen zu wollen wie das des Proletariats. Drittens müssen sie zur Kenntnis nehmen, dass die Tiere ebenso wie die Natur und die Arbeitskraft vom Kapital vernutzt bzw. ausgebeutet werden, um Mehrwert zu produzieren, auch wenn sich die Ausbeutung qualitativ unterscheidet und die Natur im Allgemeinen und die Tiere im Besonderen »lediglich« das Material zur Mehrwertproduktion sind. Daher haben die Natur und die Tiere objektiv den selben Gegner wie die Arbeiterklasse: die Bourgeoisie.

An diese theoretische Ebene würde die politische und organisatorische anschließen: Marxisten und Tierbefreier sollten die inhaltlichen Einsichten als Grundlage für ein gemeinsames politisches Projekt nehmen und eine Diskussion über gemeinsame Strategie und Taktik sowie ein gemeinsames Agieren führen. Denkbar wären etwa Kampagnen gegen die Fleischindustrie, verbunden mit der Forderung, sie in ökologisch nachhaltig und vegan produzierende, kollektiv von den ArbeiterInnen verwaltete Betriebe zu überführen. Und mit diesem gemeinsamen Projekt ginge dann die organisatorische Ebene einher: Es muss eine Organisationsform gefunden werden, in dem sich das gemeinsame Projekt abbildet und manifestiert.

Es geht also letztlich darum, ein gemeinsames öko-marxistisches und kommunistisches Projekt auf die Beine zu stellen. Dass wir von einem solchen Bündnis natürlich noch meilenweit entfernt sind, braucht man uns nicht sagen. Wir sehen es jedoch als notwendig an, und sehen auf kurz oder lang keine Alternative dazu.

Die Freiheitsliebe: Ihr beschreibt die enormen materiellen Interessen, die die Nahrungsmittelindustrie hat. Die wenigsten Marxisten würden sich gegen deren Enteignung stellen, aber was geschieht danach?

Bündnis Marxismus und Tierbefreiung: Die Strategie lässt sich gar nicht rigide in ein zeitliches »Vorher« und »Nachher« einteilen, zumindest nicht, wenn wir Rosa Luxemburgs Idee einer »revolutionären Realpolitik« ernst nehmen. Wir müssen bereits heute diskutieren, was wir wirklich brauchen und was wir wie produzieren wollen. Niemand in der Linken würde beispielsweise ernsthaft fordern, dass in enteigneten Betrieben Frauen und Migranten nur die Drecksarbeit machen sollen, dass wir einfach weiter dicke Autos und anderen Müll herstellen, dass wir Energie aus Kohle- und Atomkraftwerken beziehen, Monokulturen anlegen und acht Stunden am Tag schuften gehen. Die Verstaatlichung, Enteignung oder Vergesellschaftung an sich macht noch keine Produktionsweise, in der alle nach ihren Bedürfnissen und jeder nach seinen Fähigkeiten lebt und arbeitet.

Für uns ist klar: Eine Gesellschaft, in der Tiere getötet werden, damit wir ihre Körperteile essen können, ist keine befreite. Ganz zu schweigen davon, dass die Fleischproduktion, wie bereits gesagt, vom Stand der Produktivkräfte aus betrachtet schlicht unnötig ist. Es können schon heute genug vegane Nahrungsmittel für alle hergestellt werden. Die Nahrungsmittelindustrie müsste also nicht »nur« von den Produzenten kontrolliert, sie müsste auch einer Konversion unterzogen werden und zwar vom Anbau bis zu Verteilung. Die Idee der Friedensbewegung, die Rüstungsbetriebe einer Konversion zu unterziehen, lässt sich wunderbar auf die Fleischindustrie übertragen. Dies ist wiederum bei der Fortexistenz des Privatbesitzes an Produktionsmitteln nicht realisierbar. Wir können nichts umbauen, was uns nicht gehört. Da die Nahrungsmittelindustrie zu den sogenannten Schlüsselindustrien zählt – alle Menschen müssen nun einmal essen und trinken – ist es naheliegend, dass man mit ihrer Vergesellschaftung beginnt. Dann könnten wir auch das Essen von Medikamenten, Gentechnik usw. befreien, die wir jetzt täglich aufnehmen.

Die Freiheitsliebe: In Eurer neunten These heißt es, dass das Mensch-Tier-Verhältnis »das Ergebnis eines Zivilisationsprozesses, in welchem sich der Mensch durch die gesellschaftliche Arbeit aus der Natur herausarbeitet und damit den Unterschied zu nichtmenschlichen Tieren selber produziert« habe. Aber historisch gesehen haben Menschen schon immer Tiere gegessen. Wollt Ihr dies verhindern oder wollt ihr vor allem das Verhältnis verändern?

Bündnis Marxismus und Tierbefreiung: Naja – für oder gegen was ist die Feststellung, dass Menschen etwas »schon immer« getan haben, denn ein Argument? Menschen haben ja auch schon vor dem Kapitalismus Kriege geführt und es gibt auch bis heute immer noch ein Patriarchat, und trotzdem wollen wir als Marxisten das ändern, oder nicht? Wir wollen beides: Das Verhältnis von Menschen und Tieren verändern, und – als Bestandteil dessen –den Konsum von Fleisch und anderen Tierprodukten beenden – auch um der Tiere Willen. Allerdings wollen wir das nicht nur aus moralischen Gründen, sondern wir halten die gegenwärtige real existierende Fleischproduktion insgesamt für objektiv irrational: Sie ruiniert ja nicht nur die Proletarier, die in ihr arbeiten (z.B. durch prekäre Billigjobs, Überausbeutung und rigoroses Vorgehen gegen gewerkschaftliche Organisierung), sondern auch die Natur, etwa durch Abfälle und CO2-Ausstoß. Sie ist also ein Hindernis für die weitere Entwicklung der Menschen. Darum sehen wir unsere marxistischen Genossinnen und Genossen in der Pflicht, eine politische Position zur Fleisch- bzw. Tierindustrie einzunehmen. Und wir meinen eben: Sie ist ein Hindernis für eine tatsächliche (sozialistische) Zivilisationsgeschichte und muss in ihrer jetzigen Form abgeschafft werden.

Die Freiheitsliebe: In eurem Text beschreibt Ihr, dass sowohl Tiere als auch Arbeiter ausgebeutet werden, welche Parallelen und welche Unterschiede seht ihr?

Bündnis Marxismus und Tierbefreiung: In unseren Thesen elf und fünfzehn versuchen wir die Differenzen in der Ausbeutung des Proletariats und der Tiere zumindest grob zu benennen. Während die Arbeiter politisch formal »frei« sind – als doppelt freie Lohnarbeiter – sind die Tiere nicht politisch als Individuen anerkannt. Die Lohnabhängigen verkaufen ihre Arbeitskraft an Kapitalisten und bekommen dafür einen Teil des von ihnen produzierten gesellschaftlichen Produkts in Form von Lohn, mit dem sie ihr Überleben oft mehr schlecht als recht sichern können. Die Tiere sind qua kapitalistischer Eigentumsverhältnisse als Produktionsmittel wie die Natur insgesamt Privateigentum der Kapitalisten. Diese können nach Belieben über sie verfügen.

Diese nicht unbeträchtliche Differenz in der Stellung im Produktionsprozess führt dazu, dass sich die Kapitalisten das Mehrprodukt der Arbeiter aneignen können, während die Tiere vollumfänglich in den Produktionsprozess eingehen. In Upton Sinclairs Roman »Der Dschungel« über die größten Schlachthäuser Anfang des 20. Jahrhunderts in Chicago wird der Protagonist des Romans, ein litauischer Einwanderer, gleich zu Beginn seiner Arbeit in den gefürchteten Stockyards darüber in Kenntnis gesetzt, dass vom Schwein »absolut nichts unverwertet« bleibe – »bloß für das Quieken hat man noch keine Verwendung gefunden«.

Ihre unterschiedlichen Positionen im Produktions- und Ausbeutungsprozess führen auch dazu, dass die Tiere zwar Produkte ko-produzieren, ja sogar zum Teil der Waren werden. Dennoch leisten sie keine produktive Arbeit im Sinne der Wertproduktion. Sie liefern »lediglich« Gebrauchswerte der Waren und zwar gratis. Sie produzieren jedoch keine Werte wie die Lohnarbeiter. Dies ändert aber nichts daran, dass beide, wenn auch qualitativ unterschiedlich, von Kapitalisten ausgebeutet werden.

Die Rollenverteilung zwischen Tieren und Proletariat ist das vorläufige Zwischenergebnis der Klassenkämpfe. Dass die Rollen auch in zukünftigen Klassenkämpfen unterschiedlich gelagert sind, liegt auf der Hand. Tiere sind weder eine Klasse noch sind sie Subjekte des Klassenkampfs. Aber wir bestehen darauf, dass die Tiere ebenso wie die Natur Objekte des Klassenkampfs und der sozialistischen Revolution sind. Ohne ihre Befreiung ist Sozialismus bzw. Kommunismus nicht zu haben

Die Freiheitsliebe: Danke euch für das Gespräch.


Veröffentlicht am 30. Juli 2017 in den Kategorien: Allgemein




Neutralisierung durch Integration

Mit Rot-Rot-Grün kommt kein progressives Reformbündnis,
sondern es droht ein gefährlicher Pyrrhussieg

Kommt Rot-Rot-Grün, oder kommt Rot-Rot-Grün nicht? Galt das Projekt Anfang des Jahres noch als politisch so gut wie tot, wachsen seit Frühlingsbeginn dank »Schulz-Effekt« mit den ersten Blättern auch die Umfragewerte der Sozialdemokratie und sorgen für frischen Wind in den Segeln der »R2G«-Begeisterten. Aber viel schlauer ist man auch nach der Saarland-Wahl nicht. Hin- und hergeworfen zwischen Schreckensbildern – »Rot-Rot-Grün gefährdet die Sicherheit der Bevölkerung!« (Volker Kauder) – und Euphorie angesichts des kommenden »Bündnisses aller progressiven Kräfte« (Sigmar Gabriel) schlingert die veröffentlichte Meinung weiter in Richtung Bundestagswahl.

Noch lässt sich also nicht sagen, ob die Zeichen der Annäherung – die Grünen tun so, als würden sie für eine »Vermögenssteuer« eintreten, Die-Linke-Fraktionschef Bartsch will »endlich Deutschland nach vorne bringen«, und Martin Schulz »entschrödert« (Spiegel Online) angeblich die Sozialdemokratie – vergeblich gesendet werden. Aber so einfach werden die Realos in der Linken und ihre karrierebewussten Kolleginnen und Kollegen auf den linken Flügeln von SPD und Grünen ihre Hoffnungen nicht aufgeben. Die Option »R2G« ist schon deshalb keineswegs vom Tisch. Hinzu kommt: Bekäme die Linke größeren Zuspruch, wäre ihre Neutralisierung als ernstzunehmende antikapitalistische Opposition für die Profiteure des gegenwärtigen Krisenkapitalismus überlebenswichtig. Die Integration in eine Regierungskoalition wäre dafür ein probates Mittel.

Die große Integration

Außerhalb der Parlamentarierbüros bemüht sich eine Vielzahl von Denkfabriken, Initiativen und Bündnissen schon länger darum, Spielräume für das rot-rot-grüne »Crossover« auszuloten und es als »linke Regierung in Deutschland, die einen Unterschied macht« zu verkaufen. Das eigens zur Vernetzung der potentiellen Koalitionäre gegründete Institut Solidarische Moderne (ISM) entfaltet zu diesem Zweck seine Vision vom »mosaiklinken« Bündnis als »Projekt der gesellschaftlichen Linken und der solidarischen Milieus«. Die Rosa Luxemburg Stiftung (RLS), eine der wichtigsten Geldquellen linker Politik hierzulande, und die Tageszeitung Neues Deutschland, mittlerweile vollends zum Verlautbarungsorgan des rechten Parteiflügels umgemodelt, tun das Ihre: Nicht wenige Köpfe etwa der Interventionistischen Linken (IL) – eine der einflussreichsten APO-Organisation der deutschsprachigen Linken – stehen auf ihren Gehaltslisten, sind politisch wie ökonomisch von ihren Netzwerken abhängig und dienen objektiv der Integration des linksradikalen Milieus ins Regierungsprojekt der Linkspartei. Nicht anders steht es um den »antinationalen« Zwilling der IL, das UmsGanze-Bündnis um Gruppen wie TOP B3rlin.

Thüringen, Berlin und Brandenburg – ein Vorgeschmack

»Wer wissen will, wie Rot-Rot-Grün im Bund funktionieren würde, muss nur nach Berlin schauen«, so beschrieb der Rechtsaußen unter den Spiegel-Online-Kolumnisten, Jan Fleischhauer, jüngst, wo sich etwas über die vermeintlich »linke Zukunft« lernen lässt. Er liegt damit richtig und falsch zugleich. Selbstverständlich ist die erste rot-rot-grüne Koalition unter Führung der SPD in Berlin ein Modell für den Bund. Falsch ist jedoch Fleischhauers Bewertung des Hauptstadtbündnisses. Eine Gefahr für »die öffentliche Ordnung« zu sein, wie er meint – davon ist es weit entfernt. Die Regierungsprojekte unter Einschluss der Linkspartei erwiesen sich im Gegenteil als Garanten der öffentlichen Ordnung.

In Berlin stimmte die PDS/Die Linke in den Nuller-Jahren 35.000 Entlassungen im öffentlichen Dienst ebenso zu wie der Privatisierung städtischer Unternehmen, und in Thüringen bekennt sich Rot-Rot-Grün wie im roten Rathaus zur Schuldenbremse – dem Instrument neoliberaler Haushalts- und Finanzpolitik. Auf anderen Politikfeldern sieht es nicht besser aus. In Brandenburg beendete Rot-Rot die grün-sozialdemokratischen Träumereien von einem »sozial-ökologischen Umbau«, als 2014 die Fortsetzung und Ausweitung des regionalen Braunkohletagebaus beschlossen wurde. Abschiebungen setzt die Linke gemeinsam mit der SPD und den Grünen in wechselnden Konstellationen ebenso durch wie Bundeswehrbesuche an Schulen und in Jobcentern. In Berlin blieb der Stadtsoziologe und Kritiker neoliberaler Mietpolitik Andrej Holm keine sechs Wochen Staatssekretär für Wohnen, bevor »R2G« ihn auf Druck der Berliner Immobilienhaie und deren politischen Alliierten entsorgte. Die Causa Holm ist zudem ein Beleg für die konformistische Vergangenheitspolitik der Linkspartei. In Erfurt verteufelt sie die DDR als »Unrechtsstaat«, während Landespapst Bodo Ramelow (Die Linke) sogar die Bespitzelung seiner eigenen Parteigenossen durch den Verfassungsschutz toleriert.

»… diese Koalitionsmöglichkeit nicht unmöglich machen«

Die landespolitischen Vorreiter und die programmatischen Debatten in den Parteien lassen es erahnen: Kämen Rot, Rot und Grün gemeinsam in »Regierungsverantwortung«, würden die Schwergewichte auf der Agenda einer wirklich besseren Zukunft – soziale Frage, Ökologie und Antimilitarismus – unter dem Deckmantel reformerischer Kosmetik dem parteipolitischen Karrierismus und Pragmatismus geopfert.

Die Linke hat inzwischen gute Seiten am Hartz-IV-Regime entdeckt, die Grünen reden von einer Vermögenssteuer »für Superreiche« (die jedoch kaum Steuern auf kaum ein Vermögen bedeuten würden und für die SPD ohnehin schon wieder vom Tisch ist), statt gesetzlicher Erhöhung des Mindestlohns geht es um die Abschaffung von Ausnahmen, und die private Altersvorsorge soll vorerst nur neben die gesetzliche treten. Das alles riecht deutlich mehr nach Make-up für fortgesetzten Sozialabbau als nach »progressivem Reformbündnis«. Und das gilt nicht nur für die Sozialpolitik. »Energierevolution statt grüner Kapitalismus«, tönte Die Linke im Thüringer Wahlkampf. Sie wolle die Energieproduktion verstaatlichen, um diese der »Kapitalmarktlogik« zu entziehen. Wie Die Linke diese am Gemeinwohl orientierte Energieproduktion durchsetzt, ohne dabei in den offenen Konflikt mit der kapitalistischen Wachstumslogik und den Energiekonzernen zu treten, zeigt der Erfurter Koalitionsvertrag – darin findet sich kein Wort zur angekündigten ökosozialistischen Offensive. Ähnlich »aussichtsreich« liegen die Dinge bei der Frage nach Krieg oder Frieden: »Ohne Vorbehalte« müsse Die Linke »akzeptieren, dass jede Bundesregierung der internationalen Verantwortung Deutschlands etwa im Rahmen der NATO jederzeit gerecht werden muss«, gab SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann der Linken mit auf den Weg. Bodo Ramelow, Gewehr bei Fuß, rät seiner Partei dann auch, »an der NATO-Frage diese Koalitionsmöglichkeit nicht unmöglich zu machen«. Schließlich heiße das ja nicht, »dass wir begeisterte NATO-Anhänger werden müssen«.

»R2G« – sonst AfD!

Für diejenigen, denen angesichts solch ernüchternder Aussichten Zweifel am Wert des »linken Reformprojekts« aufkommen, haben die »R2G«-Ideologen aber noch einen treffsicheren Pfeil im Köcher: Sollte Rot-Rot-Grün scheitern, gewännen nur die AfD und der »Trumpismus«. Wer also jetzt nicht mitmacht, der muss sich für das Schlimmste verantworten – eine schwarz-gelbe Regierung mit starker AfD im Bundestag. »Die effektivste Regierung gegen den Rechtsruck: Eine linke Regierung!«, denn »ohne das Angebot einer linken Alternative werden viele der auch sozial verängstigten AfD-Wähler weiter den Rechtspopulisten auf den Leim gehen«. »Gemeinsam Aufstehen gegen Rassismus« – so lautet die Mär vom kleineren Übel.

Gesellschaft ohne Opposition

Das Problem dabei: Ein »linkes« rot-rot-grünes Lager gibt es in der bundesdeutschen Politiklandschaft gar nicht. SPD und Grüne stehen nicht in Opposition zum Status Quo der Kriegs- und Antisozialpolitik – sie haben diesen Konsens nach 1998 neu Erfunden. Bietet sich ihnen Die Linke als Regierungspartner an, ist sie auf bestem Wege, für das damals ins Werk gesetzte neoliberale Projekt zur Restaurierung der Klassenherrschaft als »linkes« Feigenblatt zu dienen. Dass dafür der linke Parteiflügel noch kaltgestellt werden müsste, liegt auf der Hand. Wie das geht, führen die Parteirealos eindrucksvoll vor, wenn sie Sahra Wagenknechts angeblich AfD-konforme Forderungen zur Flüchtlingspolitik scheinbar von links kritisieren, zur Abschiebepraxis der Parteirechten in Thüringen aber beredt schweigen. So betreiben sie die Geschäfte der Bourgeoisie, die schon immer auf Neutralisierung der Opposition durch Integration gesetzt hat, wenn ihr terroristische Methoden der Unterdrückung nicht opportun oder geboten scheinen.

Vielleicht würden unter »R2G« die deutschen imperialistischen Interessen vorerst subtiler verfolgt, könnten Hartz-IV-Bezieher mit etwas milderen Sanktionen rechnen, könnte die gesetzliche Rente etwas langsamer an die Finanzindustrie verhökert werden, hätte der »Green New Deal« ein paar mehr regierende Fürsprecher – solange nichts von alledem dem »Wirtschaftsstandort Deutschland« schadet. Auch das »Aufstehen gegen Rassismus« fände in Regierungskreisen allgemeinen Anklang, solange nur den gesellschaftlichen Ursachen der Rechtsentwicklung nicht auf den Grund gegangen wird. Mit dem beschworenen »linken Politikwechsel« hat all das wenig zu tun – umso mehr aber mit der Paralyse echter Opposition.

Die beschworene Verhinderung eines weiteren Aufstieges der AfD mittels Regierungsbeteiligung könnte sich vor dem Hintergrund kläglicher Sozialkosmetik und fortgesetzter NATO-Politik als kurzfristiger und folgenreicher Pyrrhussieg erweisen. Das freiwillige Einstimmen der Linkspartei in den elitär-neoliberalen und imperialistischen Parteienkanon – sei es nun aus Karrierismus oder aus hoffnungsloser Selbstüberschätzung –, der für »die da unten« einen Schlag ins Gesicht nach dem anderen bereithält, hinterließe auf der Oppositionsbank ein Vakuum. Darauf, diese Leerstelle auszufüllen und sich nicht nur als parlamentarische, sondern als einzige gesellschaftliche Opposition an der Seite der Abgehängten, Protestwähler und NATO-Kritiker zu inszenieren, wartet die AfD nur. Alexander Gauland und seine Parteigenossen könnten dann konkurrenzlos um diejenigen buhlen, »auf deren Rücken das System fortschreitet – das heißt gerade die Klassen, deren Existenz einmal die Opposition gegen das System als Ganzes verkörperte« (Marcuse) und die nun enttäuscht feststellen, dass links kaum noch jemand steht, der gegen die Missstände der neoliberal radikalisierten kapitalistischen Gesellschaft kämpft.

Zu einer derartigen Gesellschaft ohne Opposition leistet die außerparlamentarische Linke einen gewichtigen Beitrag, wenn sie Die Linke in ihrem Regierungsvorhaben unterstützt und sich mit ihr in die »heilige Phalanx der Ordnung« (Marx) begibt. Die Mittel, die Rosa Luxemburg der Sozialdemokratie ihrer Zeit schon vor hundert Jahren empfahl – »rückhaltlose Kritik der Regierungspolitik« und Organisation der gesellschaftlichen Opposition innerhalb wie außerhalb der Parlamente –, sind bis heute die richtigen Mittel gegen neoliberalen Klassenkampf und AfD.

5. April 2017,
Assoziation Dämmerung


Veröffentlicht am 5. April 2017 in den Kategorien: Allgemein Flugblatt Texte